
(Pirkko
Mannola)
*
27.12.1938 in Valkeakoski (Finnland).
1958 wird Pirko Manola in Helsinki zur "Miss Finnland" gewählt. Dieses Ereignis stellt das bisherige Leben der wohlbehüteten 19-jährigen Lehrerstochter total auf den Kopf. Als Schönste des Landes steht sie von einem Tag zum anderen nicht nur im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen sondern auch im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Ihr Foto erscheint in allen Zeitungen, Partys und Empfänge werden zum Pflichtprogramm. Umgeben von Glanz und Glamour gewöhnt sie sich rasch an ihre Popularität, ohne jedoch dabei abzuheben.
Bis dahin verlief ihr Leben in geordneten Bahnen. In Valkeakoski, wo sie am 27. Dezember 1938 geboren wird, verlebt sie eine schöne und sorgenfreie Kindheit. Später zieht die Familie in die nicht weit enfernte Industriestadt Tampere. Pirko möchte Kindergärtnerin werden. An eine Karriere im Showgeschäft denkt sie nicht einmal. Schuld daran, dass dann doch alles anders kommt, ist ihr Bruder Tomi. Der nämlich meldet sie für die Wahl zur Miss Finnland an.
Als
Pirko zunächst zu einer Vorausscheidung eingeladen wird, macht sie
sich anfangs keine grossen Hoffnungen. Die Kandidatinnen müssen nämlich
eine Mindestgröße von 1,63 m aufweisen. Sie selbst ist aber
nur 1,62 m groß. Dich dieser fehlende Zentimenter fällt letztendlich
nicht ins Gewicht. Sie darf trotzdem teilnehmen und gewinnt den Titel.
Bei der anschließenden Wahl zur "Miss Europe", die in Istanbul stattfindet, wird sie fünfte. Als sie nach Finnland zurückkehrt, warten bereits ein paar lukrative Werbeangebote auf sie. Zunächst posiert sie als Modell für Modeaufnahmen. Bald steht sie aber bereits vor der Filmkamera und spielt ihre ersten Rollen. Dass auch die Plattenproduzenten bei ihr anklopfen, versteht sich von selbst. Und die sind bei Pirko an der richtigen Adresse. Musik liegt ihr im Blut. Ihr Großvater, Alex Nikiforow, war ein bekannter Kapellmeister. Pirko erweist sich als Naturtalent: Gesang, Tanz, Schauspielerei - alles schüttelt sie lässig aus dem Ärmel. Ihr Charme und ihre ansteckende Fröhlichkeit machen sie schnell zum Liebling der Medien und des Publikums. Nach kurzer Zeit gehört das rassig-temperamentvolle Mädchen zu den Topstars der finnischen Unterhaltungsszene.
Einer
der mächtigsten Filmbosse Finnlands, T.J. Särkkä, reist
im Sommer 1960 zu den Filmfestspielen nach Berlin, um dort sein neuestes
Werk vorzustellen. In seiner Begleitung befinden sich einige finnische
Stars, darunter auch Pirko Manola. Bei einem Konzert in der Berliner Waldbühne
wagt sie sich ohne große vorherige Proben vor das Mikrofon und schmettert
eine finische Version des Paul Anka Hits "Diana" in die Menge. Im Publikum
sitzt auch Hans Roll, ein Mann aus der Plattenbranche. Er ist von der zierlichen
Person, ihrem Können und ihrer Natürlichkeit schwer beeindruckt
und sorgt dafür, daß sie die Möglichkeit erhält, bei
dem namhaften Produzenten und Orchesterleiter Werner Müller vorzusingen.
So kommt Pirko Manola zu einem Plattenvertrag bei Decca. Dafür büßt sie allerdings zwei Buchstaben ihres Namens ein, denn eigentlich heißt sie Pirkko Mannola. Für das deutsche Publikum wird die Schreibweise jedoch vereinfacht. Ihre erste deutsche Single "Weil es die Liebe so will" erscheint 1961. Kein großer Hit, jedoch ein Achtungserfolg. Um die Sängerin aus dem hohen Norden hierzulande mit einem Schlag bekannt zu machen, wird sie von Decca 1962 als Interpretin für die Deutschen Schlagerfestspiele nominiert. Die Veranstaltung, die üblicherweise im Sommer stattfindet, geht in diesem Jahr bereits im Februar über die Bühne, da das Siegerlied die Bundesrepublik beim Grand Prix D' Eurovision vertreten soll.
Für
Pirko Manola wählt man einen Duett-Titel aus und so steht sie in Baden-Baden
nicht allein vor dem Mikrofon, sondern hat einen Gesangspartner Wyn Hoop.
Er kann sich noch daran erinnern, wie es dazu kam: "Zunächst sollte
Pirko mit Silvio Francesco, dem Bruder von Caterina Valente, singen. Man
stellte dann aber fest, daß das optisch nicht gut paßte: für
die kleine und zierliche Pirko war Silvio ein bißchen zu groß.
Daraufhin wurden Probeaufnahmen von Pirko und mir gemacht und die müssen
wohl ganz gut ausgefallen sein. Jedenfalls haben wir dann in Berlin den
Titel eingesungen. Ursprünglich sollte das eine einmalige Sache sein,
eben nur für das Festival in Baden-Baden."
Das neue Gesangspärchen singt sich im Handumdrehen in die Herzen der Zuhörer. MIt "Mama will dich sehn" belegen sie bei den Schlagerfestspielen einen respektablen vierten Platz und werden acht Wochen in der deutschen Verkaufshitparade notiert. Aufgrund dieses Erfolges bleiben die beiden als Duo zusammen.
Bereits
mit der nächsten Single landen sie noch im selben Jahr einen Top-Ten-Hit.
Das Lied heißt "Küsse im Mondschein". Im Original wird diese
schmusige Soft-Ballade von Brian Hyland gesungen und ist unter dem Titel
"Ginny Come Lately" ein Hit. Obwohl es bereits eine deutsche Version mit
Jan & Kjeld gibt, beauftragt Werner Müller den Schlagerdichter
Günter Loose, einen neuen Text zu schreiben, der speziell auf die
beiden zugeschnitten ist. Loose schwelgt in romantischen Klischees und
durch die gefühlvolle Interpretation von Pirko & Wyn kommt das
so gut rüber, dass die Schlagerfans begeistert sind und die Platte
sich bestens verkauft.
Danit hat sich Pirko Manola endgültig auf dem deutschen Markt durchgesetzt. Funk und Fernsehen reissen sich um die attraktive Finnin. Sie absolviert Auftritte mit Hugo Strasser und Kurt Edelhagen, geht auf Tournee mit Ambros Seelos und fliegt zwischendurch immer wieder nach Finnland, denn auch dort kann sie sich vor Angeboten kaum retten. Von fast allen ihren deutschgesungenen Titeln werden für die Fans daheim Fassungen in finnischer Sprache produziert. So ist ihr Terminkalender randvoll und wohl nur einem Energiebündel wie Pirko gelingt es, ein solches Pensum zu bewältigen, ohne dabei die gute Laune und das strahlende Lächeln zu verlieren.
Neben
ihren Solo-Singles nimmt sie hierzulande auch weiterhin Titel mit Wyn Hoop
auf. Doch die zwei sind nur auf der Bühne ein Paar. "Pirko war ein
wirkliches Schätzchen, sehr natürlich und sympathisch", erzählt
Wan Hoop, "wir haben uns prima verstanden und mehr nicht." Denn er ist
damals bereits mit der Sängerin Andrea Horn verbunden, die einst zu
den Honey Twins gehörte. Auch sie nehmen später Platten zusammen
auf, und die beiden sind heute noch miteinander verheiratet.
Parallel zu ihrer deutschen Plattenkarriere arbeitet Pirko Manola zielstrebig und mit großem Ehrgeiz daran, sich in Finnland einen Namen als Bühnenschauspielerin zu machen. Auf die Dauer lassen sich beide Sachen nicht mehr miteinander vereinbaren und sie muß eine Entscheidung treffen. Da es nach anfänglichen Erfolgen mit den Schlagern nicht mehr so richtig laufen will, wählt sie das Theater.
Auch
private Gründe spielen dabei eine Rolle. Seit Jahren ist sie mit dem
bekannten finnischen Regisseur Ake Lindmann befreundet. 1968 heiraten die
beiden. Zum privaten Glück gesellt sich Erfolg im Beruf, denn Pirko
hat sich inzwischen als Schauspielerin etabliert. Sie glänzt in vor
allem komischen Rollen mit naiv-erotischem Flair. So spielt sie "Irma la
Douce", "Ein Mädchen in der Suppe" oder aber die Eliza in "Pygmalion".
Später wechselt sie ins ernste Fach und erntet auch als Charakterdarstellerin
Lob und Anerkennung. 1978 kommt ihr Töchterchen Heidi zur Welt und
für Pirko hat nun die Mutterrolle oberste Priorität.
Das
finnische Fernsehen produziert 1994 eine mehrteilige Show-Serie, die einen
nostalgischen Blick in die 60er Jahre wirft. Viele Künstler aus dieser
Zeit treten darin auf. Auch Pirko Manola gehört dazu. Da die Sendereihe
zu einem großen Erfolg wird, gehen die Altstars anschließend
auf Tournee. Für Pirko Manola die Möglichkeit, noch einmal ins
Scheinwerferlicht zurückzukehren und die alten Schlagerzeiten wieder
aufleben zu lassen.
Für
Liebhaber deutscher Oldies ist BEAR FAMILY RECORDS wirklich die
erste Adresse. Nirgendwo sonst, bekommt man so qualitativ hochwertige CD-
Wiederveröffentlichungen. Wie man an dieser Seite sieht, sind die
Booklets überaus liebevoll gestaltet, beeinhalten neben Biografie,
vielen Porträt-Fotos auch noch zahlreiche Cover-Abbildungen.
Alle
Songs der folgenden Plattenhüllen (+ ein unveröffentlichter
Song) finden sich in digital gemasterter Qualität auf der CD:
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| A)
Weil es die Liebe so will
B) Bam-Schi-Bam (Who Put The Bomb) Decca D 19 260 (1961) |
A)
Komm ein bißchen näher zu mir
B) Mama will dich sehn Decca D 19 281 (1962) mit Wyn Hoop (Deutsche Schlagerfestspiele) |
A)
Tagelang - nächtelang (I Like Girls)
B) Ringel Dingel Dickie aus Manhattan (The Oo-We) Decca D 19 314 (1962) |
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| A)
Küsse im Mondschein
(Ginny Come Lately) B) Ukulele-Baby Decca D 19 347 (1962) mit Wyn Hoop |
A)
Bily-Billy Boy
B) Der Cowboy-Billy kommt aus Bern Decca D 19 367 (1962) |
A)
Serenata d'amor
B) Sieben Tage in der Woche Decca D 19 389 (1962) mit Wyn Hoop |
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| A)
Ich pfeif' auf Gold und Geld
B) Das große Glück Decca D 19 426 (1963) mit Wyn Hoop |
A)
Liebe und Mondschein
(Betty' s Bossa Nova) B) Morgen wird unsere Hochzeit sein Decca D 19 432 (1963) |
A)
Im Frühling (Petronio Cha Cha)
B) Endlose Reise (Over The Mountain Across The Sea) Decca D 19 454 (1963) mit Wyn Hoop |