PETER KRAUS

* 18.3.1939 in München,

Sohn des Regisseurs Fred Kraus, Ausbildung in Gesang, Tanz, Schauspiel. Ende der 50er Jahre Deutschlands populärster Rock'n Roll - Sänger, Teenageridol, damals über 12 Millionen verkaufter Schallplatten. Sang eine Reihe von Titeln zusammen mit Conny Froboess. Zahlreiche Filmrollen, die erste mit 13 in Kästners "Das fliegende Klassenzimmer", "Wenn die Conny mit dem Peter". Trat auch als Drehbuchautor und Plattenproduzent in Erscheinung. Eigene TV-Show "Herzlichst Ihr Peter Kraus". 1970 Showmaster der Fernseh-Unterhaltungsserie "Bäng-Bäng" (6 Folgen). Versucht seit einiger Zeit Comeback auf der Operetten- und Musicalbühne.
 

Er hat noch heute zu leiden unter seinem Ruf als deutscher Rock-and-Roll-König. Trotzdem ist Peter Kraus zu einem deutschen All-Round-Entertainer herangewachsen. Bereits als 14jähriger Oberschüler spielte Peter in mehreren Filmen mit. Neben der Schule nahm er Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht.

Nach dem Abklingen der Rock-and-Rollwelle arbeitete Peter Kraus weiter als Schauspieler, in Filmen und im Fernsehen. Auch im Ausland, wie Frankreich, England, Italien, Holland, Schweden und Amerika trat er auf und sammelte dabei viele Erfahrungen. Nicht nur schauspielerisch, sondern auch als Regisseur betreute er verschiedene Fernsehsendungen. In Musicals stand er auf der Bühne als Sänger und Tänzer. Neben seinen Fernsehsendungen versucht er sich auch wieder als Schlagersänger.
 
 

In München, am 18.3.1939, wurde er geboren und in dieser Stadt begann auch seine Karriere - als Schlagersänger, als Rock 'n' Roll Show-Mann und als Filmschauspieler wie dann später auch vor den TV-Kameras. Peter ist erblich begabt: Sein Vater, Fred Kraus, ist ein vielseitiger Mann im Show-Geschäft und seine Mutter, Finny Kraus, betreut die "beiden großen Jungs". Was der noch sehr junge Peter so gesanglich hören ließ, das nahm sein Vater einmal auf Band, weil es ihm gefiel. Dem Produzenten gefiel es auch, und so fing alles an: Vertrag, Ausbildung und Erfolge.

Stilistisch anfänglich noch stark an Elvis beeinflußt, gelang es ihm bald, sich freizumachen und einen eigenen Vortrag zu entwickeln, wobei ihm die fast überwältigende Anziehungskraft seiner Person auf die jugendlichen Zuhörer und -seher zustatten kam. In seiner Reichweite blieb er auch nicht auf das deutsche Publikum beschränkt, sondern er hat TV-Verträge mit England und Canada und auch seine englisch wie französisch gesungenen Schlager finden in den jeweiligen Ländern eine hervorragende Aufnahme.

Sobald ihm die Arbeit Zeit läßt, findet man den sympatischen und bescheiden gebliebenen Münchner in den bayerischen Bergen oder zu Haus, bei seiner umfangreichen Sammlung von Jazzplatten.
 
 
 

Peter Kraus und Jörg Maria Berg als
"Die James Brothers"
 


Die James Brothers auf Polydor Schallplatten:



23 819Wenn (When) / Oh Veronika (1958)
23 855Wenn du heute ausgehst 
              / Die jungen Jahre (Endless Sleep) (1959)
23 905Das ist prima (Oh! My Goddness) 
             / O.K. (Okay, Okay) (1959)
24 068 Cowboy Billy /Sensationell (1959)
24 116Auf Wiederseh'n und lass dir's gut ergehen / 
           Genau wie du (1960)
24 214 Rote Rosen (Pretty Blue Eyes)
              / Ein Haus in Tennessee (1960)
24 263 Blue River / Cherie, Cherie (1960)
24 314 Rosemarie /Cowboy Jenny (1960)
24 341 Sie hat so wunderschöne Augen / Tiger Lilly (1960)
24 531 Morgen bist du alle Sorgen los
             / Wie eine kleine Lady (1961)
24 630 Beim Candlelight / Rosy (1962)
24 659 Ich hab' mich so an dich gewöhnt 
              / Hanna aus Havanna (1962)
24 739Komm wieder / Holiday Lady (1962)
52 204 Hätt' ich einen Hammer (If I Had A Hammer) / 
              Ricky-Ticky Teeny Weeny Twist Express (1964) 

 


Peter Kraus Lochcover
Polydor (1958)

Peter Kraus Lochcover
Polydor (1959)

Mach dich schön Diana E.P.
A) Diana
B) So wie damals, Baby
C) Mach dich schön, Diana
D) Hafen-Rock
Polydor EPH 20 367 (1958)

A) Kitty Cat
B) Havanna Love
(aus dem Film "Alle lieben Peter")
Polydor 23 957 (1959)

A) Wunderbar wie du
B) Hey du bist okay
(aus dem Film "Melodie und Rhythmus")
Polydor 24 069 (1959)

A) Tiger
B) Ich bin ja so allein (Lonely Boy)    
Polydor 24 099 (1960)

A) Susi sagt es Gaby
B) Doll-doll-Dolly
Polydor 24 176 (1960)
(aus dem Film "Kein Engel ist so rein")

A) Alle Mädchen wollen küssen
B) Wenn sie Dich allein läßt
Polydor 24 209 (1960)

und Conny
A) Va bene
B) Sag mir was du denkst    
(aus dem Film "Conny und Peter machen Musik")
Polydor 24 262 (1960)

A) Sag mir was du denkst   
(Conny und Peter)
B) Das geht die Leute gar nichts an (Conny und Rex)
(aus dem Film "Conny und Peter machen Musik")
Electrola E 21 526 (1960)

A) Jedes Mädchen auf Erden
B) Von Paris bis Hawaii
(aus dem Film: Schlagerraketen) (Titel B) Polydor 24 356 (1960)

A) Capri Fischer
B) Wenn die Elisabeth
Polydor 24 398 (1961)

A) Ich hab`dich noch genauso lieb
B) Mein neuer Hut (Mon Beau Chapeau)
Polydor 24 409 (1961)

A) Silvermoon
B) Ein junges Herz (The Young Ones)
Polydor 24 725 (1962)

A) Sweety
B) Straße der Sehnsucht
Polydor 24 847 (1962)

A) Western Rose
B) Uns're Reise fängt an
Polydor 24 910 (1962)

A) Das haben die Mädchen gern
B) Hände weg von den Frau'n
(mit Gus Backus)
Polydor 24 910 (1962)

A) Ein Souvenir
B) Lorelei
Polydor 52 046 (1963)

A) Hero und Leander
B) An einem Regentag
Columbia C 23 896 (1968)


 
 
 


Va bene, va bene, ich bin ja so verliebt / Und zwar in dich, Signorita / Va bene, va bene, wie schön, daß es dich gibt / Sag mir si si oder ja"- das war einer der großen Hits meiner Kindertage. Ich war ganze zehn Jahre alt, und jedes Mal, wenn dieses Lied aus dem Radio im elterlichen Wohnzimmer erklang, versuchte ich, den Apparat lauter zu stellen: 
"Die Nacht war schön, das Meer war blau und außerdem war Mai / Da sah ich sie und fragte gleich: Bambina, sind Sie frei? / Ich weiß nicht, ob sie mich verstand, sie lachte mir nur zu / und kurz darauf gab es ein Rendezvous. / Va bene, va bene, ich bin ja so verliebt.." -Wirklich: Ein tolles Lied! - Besonders den Sänger fand ich ganz umwerfend. Er klang irgendwie so erwachsen und trotzdem nicht altmodisch.

Meine Eltern hingegen waren da ganz anderer Meinung. Sie mochten ihn überhaupt nicht und beschimpften ihn als "Schluckaufsänger" und als "Heulboje". Kein einziges gutes Haar ließen sie an ihm und zeterten immer wieder, er könne überhaupt nicht singen, er habe keine Manieren und - besonders schlimm - "mache den Amis alles nach". So wie in meinem eigenen Elternhaus ging es vermutlich in sehr vielen Familien zu: Papa und Mama, zu Zeiten eisernen Gehorsams und eherner Disziplin im BDM- und im HJ-Geist aufgewachsen, verstanden die Welt nicht mehr: Sie, denen man ihre Jugend vorenthalten hatte, wurden nun mit einem Mal Zeuge, wie ihre Kinder selbstbewußt all das für sich proklamierten, was ihren Eltern einst verwehrt geblieben war. Statt preußisch-korrektem Haarschnitt war bei den Jugendlichen auf einmal die Elvis-Tolle angesagt, statt freudlos-militärischer Uniformität trugen sie lässig Petticoat und Röhrenhosen, die sie zu allem Überfluß auch noch auf englisch "Blue Jeans" nannten. All das erlebten die im Tausendjährigen Reich Aufgewachsenen außerordentlich bedrohlich. Und Peter Kraus, dessen doch nun wirklich äußerst harmloses Liedchen "Va Bene, va bene" mich damals so sehr begeisterte, er war geradezu Inbegriff der neuen Generation, die sich ostentativ an der Kultur der siegreichen "Besatzer" - halt, nein: "Verbündeten", auch da hieß es umzudenken - orientierte. Er war das pure Gegenstück zum zackigen Männlichkeitsideal, das - logo! - auch nach 1945 nicht von heute auf morgen von der Bildfläche verschwunden war. Nein, Peter Kraus war kein bißchen "zackig", er war "lässig" und das war damals noch ein Schimpfwort. Er trug (manchmal) keine Bügelfalten, er wackelte beim Singen mit dem Unterleib und er kaute Kaugummi. Er sang von "Sugarbabys" und "Kitty Cats", hatte zwar einen deutschen Paß, aber war doch irgendwie so richtig wie die Amerikaner. Und die Alten regten sich wahnsinnig über ihn auf - was wollte man mehr?

Als Mitte der Fünfziger der Rock'n Roll über Deutschland hereingebrochen war, als Bill Haley und Elvis Presley auch hierzulande für volle Hallen und gelegentliche Exzesse sorgten, da baute ein findiger Produzent älteren Semesters mit Namen Gerhard Mendelsohn Peter Kraus zu einer Art deutschen Elvis auf. Seitdem gehörte er in den deutsch-sprachigen Ländern zu den Größen der Hitparade. 1957 erklomm er mit "Susi Rock" erstmals die Charts und war von da an für Jahre nicht mehr aus der deutschen Hitparade wegzudenken: Er eroberte mit "Liebelei" (1957, höchste Plazierung Platz 11) die Herzen seiner Fans, danach mit "Mach dich schön" (1958, Platz 5) und "Wenn Teenager träumen" (Platz 7). Mit "Hula Baby" landete er 1959 erstmals auf Platz 1, es folgten im selben Jahr "Mit siebzehn", "Sugar Baby" (beide auf Platz 2) und "Honey Baby" (Platz 3). 

Ermuntert durch den umwerfenden Erfolg, baute man ihn alsdann zusätzlich als Filmhelden auf. Gemeinsam mit Deutschlands weiblichem Nr.1-Teenageridol der Fifties, Conny Froboess, avancierte er mit dem Streifen "Wenn die Conny mit dem Peter" unter Deutschlands Teenagern zum meistgeliebtesten Leinwandstar der späten Fünfziger. Aus diesen Film stammen die beiden Songs "Teenager Melodie" und "Ich möcht' mit dir träumen" (1959, Platz 10 bzw. Platz 8). Aufgrund rechtlicher Komplikationen durften diese Top-Titel jedoch nicht im Duett mit Peter und Conny auf Platte veröffentlicht werden, stattdessen gab es zwei konkurrierende Aufnahmen: Conny nahm die Titel gemeinsam mit Electrola-Kollege Will Brandes auf, Peter sang sie bei Polydor gemeinsam mit einer Sängerin namens Micky Main. Auch in der Folgezeit ging es Schlag auf Schlag, die Begeisterung für Peter Kraus war nicht zu bremsen: "Kitty Cat landete 1959 auf Platz 3, "Ich bin ja so allein" und "Tiger auf Platz 8 und "Alle Mädchen wollen küssen" 1960 auf Platz 15. 

Weniger erfolgreich war er in der Folgezeit als Filmstar: Zwei Kraus-Filme, in denen Conny nicht mitwirkte, wurden nicht annähernd so populär wie "Wenn die Conny..." und so begab sich das Teeny-Paar schließlich für "Conny und Peter machen Musik" ein zweites Mal gemeinsam vor die Kamera. Die beiden Plattenfirmen zeigten sich heuer flexibler, "Sag mir, was du denkst" wurde in der Film-Originalversion veröffentlicht und konnte sich 1960 auf Platz 6 der Charts vorarbeiten. Ähnlich populär die B-Seite: "Va Bene". 

Zwar ging es bei Konzerten von Deutschlands Rock'n Roller Nr.1 nie derart hemmungslos zu, wie man es von den Auftritten seiner amerikanischen Vorbilder gewohnt war, doch war Peter Kraus stets auch ohne allzu große Randale für bundesdeutsche Verhältnisse ungeheuer "shocking". So provozierte er etwa einmal einen "Skandal", als er seine Sangeskollegin Connie Francis mit den Händen in den Hosentaschen vom Flughafen abholte. Das brachte damals allen Ernstes jede Menge Schlagzeilen. Unter den "Erwachsenen" machte sich das blanke Entsetzen breit, die Halbwüchsigen hingegen fanden solcherlei "Rüpeleien" großartig. - Herrliche Sandkastenspiele, aber, wie man heute weiß; auch erste zarte Anzeichen für das, was der Republik noch bevorstand. 

Beim Übergang zu den sechziger Jahren hatte sich der Rock'nRoll allerdings erst einmal totgelaufen. Die Stars der Fifties mußten sich etwas einfallen lassen, wollten sie weiter im Geschäft bleiben. Schließlich waren die meisten ihrer Fans wie sie selbst allmählich den Teeny-Schuhen entwachsen. Als in die Jahre gekommene Idole weiterhin Hits für Teenager zu produzieren, wäre vermutlich wenig überzeugend gewesen. Stattdessen versuchten sie, die alten Anhänger mit gesetzteren Klängen bei der Stange zu halten. Elvis machte es erfolreich vor: Er setzte nach Fetzern wie "Hound dog" und "Jailhouse Rock" nun mit Weichspülern wie "O sole mio" alias "It's now or never", "Muß i denn..." alias "Wooden Heart" oder "La Paloma" alias "No more" seinen Triumphzug fort.

Und Peter Kraus, der "deutsche Elvis", folgte seinem Beispiel. Mit traditionellen Schlagern, die mit Rock'n Roll nicht mehr das geringste zu tun hatten, gelang es ihm, seine Popularität zu wahren und zu mehren. "Susi Rock", "Sugar Baby" ",Tiger" und auch sonst fast alle seine Hits der Fifties waren rhythmisch stark akzentuierte Songs, die auch textlich ziemlich exklusiv auf die Vorstellungswelt der unter 20-jährigen zielten. "Va Bene" hingegen war schon so etwas wie eine Kehrtwende: Der Titel war verspielter, melodiöser als Peters bisherigen Stücke und richtete sich textlich mit dem Thema "Urlaubsflirt" an ein nicht mehr unbedingt altersspezifisches Publikum. Vermutlich gab es bereits eine ganze Reihe "Erwachsener", die das alles nicht mehr ganz so streng sahen wie meine Eltern und zu dem Lied auch schon mal einen Foxtrott aufs Parkett legten. In der Folgezeit wurden Peter Kraus Songs immer softer. Er entwickelte sich mehr und mehr zum ausgesprochenen Schmusesänger. "Schwarze Rose Rosemarie", "Blue Melodie", "Silvermoon" - mit diesen und vielen, vielen anderen Perlen deutschen Liedgutes sollte er in der Folgezeit die Hitparaden der deutschsprachigen Länder bereichern. 

Welcher Song fällt ihnen als erster ein, würde ich Sie nach einem typischen Schmusehit der 60er Jahre fragen? Vermutlich dächten Sie spontan an Titel wie "When a man loves a woman" von Percy Sledge, "A whiter shade of pale" von Procol Harum oder "Love me tender" von Elvis - stimmt's? Vielleicht würde Ihnen noch "San Francisco" von Scott MacKenzie einfallen oder jenes herzzerreißende "Release me" von Engelbert Humperdinck. Doch welche Titel sie auch immer nennen - es wären vermutlich fast ausschließlich englischsprachige Songs. Wirklich zugkräftige Schmusesongs made in Germany sind seit jeher Mangelware, erst in den 70ern schuf Peter Maffay echte Klassiker wie "Du" oder "Und es war Sommer". Zuvor ist allenfalls "Monja" von Roland W. in die Popgeschichte eingegangen, Ted Herolds "Moonlight", vielleicht ein Song von Roy Black und - allen voran - "Schwarze Rose Rosemarie" und eine Reihe weiterer Titel des "deutschen Elvis" Peter Kraus. Der gefeierte Rock'n Roller der Fifties profilierte sich beim Übergang zu den Sechzigern als Deutschlands Kuschelsänger Nummer 1. 

Dabei begann er seine zweite Karriere zunächst mit einer ausgesprochenen Bauchlandung: Nachdem sein US-amerikanisches Vorbild mit modernisierten Fassungen alter Evergreens wie "O Sole mio", "La Paloma" und "Muß i denn..." triumphale Erfolge feierte, versuchte Peter seinerseits sein Glück mit einer neu arrangierten Aufnahme der guten alten "Caprifischer" von Rudi Schuricke. Der Erfolg indessen blieb aus: Peter Kraus, der sich seit 1957 mit fast jeder seiner Aufnahmen unter den Ersten der Charts plazieren konnte, mußte sich mit einem mageren Platz 35 bescheiden. Doch beim zweiten Anlauf klappte es dann wieder wie gehabt: "Blue Melodie", eine ihm von Werner Scharfenberger und Texterin Fini Busch perfekt auf den Leib geschneiderte butterweiche Ballade, konnte sich bis auf den siebten Platz emporarbeiten und begründete Peters zweite Karriere: "Blue Melodie, Blue Melodie" so hauchte er ins Mikrophon, ."ich geh allein durch die Nacht! / Niemand ist da, niemand ist da / der heut mein Herz glücklich macht". Einfach mitreißend, wie er sich im Refrain dann zu dem Stoßseufzer aufschwang: "Endlose Nächte, endlose Tage, wenn man sich sehnt und einsam ist / Und immer wieder stell' ich die Frage, ob mich das Glück ganz vergißt."

Im gleichen Jahr setzte er noch eines drauf und sang mit "Schwarze Rose Rosemarie" (höchste Plazierung: Platz 5) einen der legendärsten Schmusehits der Sixties. Tausende von späteren Ehepaaren und Familiengründern lernten sich vermutlich bei den einschmeichelnden Zeilen dieses Liedchens kennen: "Schwarze Rose Rosemarie / Keine Rose blüht sowie sie. Doch was sie anderen sagt, sagt sie mir nie / Ros - ma - rie". Noch heute ist dieser Titel Höhepunkt in Peter Kraus' Konzerten, auch 35 Jahre nach der Veröffentlichung der Scheibe lauschen engumschlungene Paare reiferen Semesters andächtig diesen Versen. Mit "Silvermoon" (Platz 6), einem weiteren klassischen Steh-Blues, setzte er 1962 seinen Triumphzug fort. 

Parallel zu seinen Plattenerfolgen arbeitete der Ex-Rocker an seinem Image - nicht ohne Erfolg: Jahrelang hatte er sich als Rabauke profiliert, nun attestierte ihm die Presse: "Man mag den bisherigen Weg des teils angeschwärmten, teils verdonnerten Schallplattenstars beurteilen, wie man will - hier sind Vorurteile ganz entschieden nicht mehr am Platz. Peter hat offensichtlich viel dazugelernt. Welche Überraschung: Uns präsentiert sich ein netter, schlaksiger Junge mit Talent, Schmiß und einem kleidsamen Schuß Befangenheit". Mit "Sweety" (1962 Platz 1) schließlich war er am Höhepunkt seiner Sangeslaufbahn in den Sixties angelangt: "Heute abend gibt's nur eines / denn ich führe dich, mein Kleines / heute in die große Seligkeit". Von da an allerdings wurde es schwierig für Deutschlands Schlagerstars, die angesichts der übermächtigen Konkurrenz aus Großbritannien mehr und mehr ins Hintertreffen gelangten. Peter Kraus zählte zu den ersten Opfern der Beatles, Rolling Stones und der anderen Beat-Idole. Das Jahr 1963 überstand er noch mit einigen "1b"-Treffern ("Western Rose, Platz 13, "Desafinado", Platz 16 und "Ein Souvenir", Platz 13), seine 1964 veröffentlichten Scheiben (etwa "Kisses in the night"' Platz 47) landeten allesamt nur noch unter "ferner liefen". Erst das Oldie-Revival unserer Tage katapultierte Peter Kraus Jahrzehnte später erneut nach vorn.

Peters Schallplatten sind heute äußerst begehrte Sammlerobjekte. Seine Hits aus den 50ern wie "Kitty Cat", "Tiger" und "Alle Mädchen wollen küssen sind komplett mit Originalhülle kaum unter 30 DM zu haben. Preise von 50 DM sind nicht außergewöhnlich. Viele dieser Scheiben wurden damals in "Lochhüllen" verpackt, Peter Kraus-Standardhüllen mit einem Loch in der Mitte, so daß der Titel der jeweiligen Platte lesbar war (siehe Abbildungen oben). Mit bebilderten Hüllen, wie sie in den frühen 60ern Standard wurden, geizten die Plattenfirmen noch, und so gehört schon eine Menge Glück dazu, solch ein Exemplar zu ergattern. Peter Kraus- Hits der 60er Jahre sind im Vergleich dazu fast schon günstig zu bekommen: Für halbwegs neuwertige Exemplare von "Schwarze Rose Rosemarie", "Blue Melodie" oder "Sweety" sind zwischen 15 und 30 DM zu berappen, allerdings ist auch hier die Tendenz deutlich steigend. Schier unbezahlbar sind indessen Langspielplatten von Peter Kraus. Die LP "Seine großen Erfolge" etwa ist schon fast so etwas wie ein Kultobjekt. Ähnlich verhält es sich mit seinen 30 cm-Scheiben "Peter Kraus singt Evergreens", "Bella Italia" und "Bossa Nova - Der neue Rhythmus".
Selbst Platten, auf denen Peter Kraus neben Titeln anderer Interpreten nur mit einem oder zwei Stücken zu hören ist, sind so gut wie nicht zu bekommen. Ich suche be-reits seit vielen Jahren nach dem Soundtrack des Films "Das haben die Mädchen gern mit Peter Kraus, Gus Backus und Mina - vergeblich. Die LP "Teenager Party 64", der supertolle Mitschnitt einer ZDF-Show, in der neben Peter Kraus Stars wie Thomas Fritsch, Ted Herold und wieder Mina und Gus Backus zu bewundern waren, ergatterte ich nach jahrelanger Suche für 250 DM. Peter Kraus ist ein außerordentlich teures Hobby.

Und so ist eine aktuelle Neuveröffentlichung aus dem Hause Bear Family ein wahrer Segen: Die Box "Teenagerträume, Liebeleien und Sugarbabys - Die ersten 10 Jahre" (BCD 15871) enthält auf 10 CDs sämtliche, aber auch wirklich sämtliche Peter-Kraus Aufnahmen aus den Jahren 1956 bis 1965: Alle A- und alle B-Seiten sämtlicher Singles, alle auf LP veröffentlichten Titel, die vollständige Sammlung von Peters in anderen Sprachen aufgenommenen Titeln, die Mitschnitte aller Songs aus Fernsehshows oder Filmen (also auch diejenigen, die nie auf Platte veröffentlicht wurden), alle Titel der aus Peter Kraus und Jörg Maria Berg bestehenden Formation "James Brothers" - ja, selbst private Aufnahmen aus Peter Kraus' persönlichem Archiv werden in dieser Box zugänglich gemacht. Peter Kraus im Duett mit Mina, Peter mit Cover-Versionen von "Marina", "Souvenirs", "Brauner Bär und weiße Taube" und dem "Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strandbikini", Alternativ-Versionen von "Sweety" und anderen Hits, eine Parodie von Gus Backus' "Der Mann im Mond", bislang unveröffentlichte Aufnahmen in Englisch wie "The bigger they fell" (1963) und Gehversuche in Französisch, Italienisch, Spanisch oder Dänisch. Neben den zehn CDs enthält sie noch den signierten Nachdruck des BRAVO-Starschnitts aus dem Jahre 1959 und als ganz besonderes Bonbon ein 120 Seiten dickes vierfarbiges Buch, das vollgespickt ist mit Fotos, Filmplakaten, Filmprogrammen, Werbefotos, Zeitungsartikeln. Einziger Wermutstropfen: Warum werden die Plattenhüllen darin so stiefmütterlich präsentiert? Im Rahmen eines solchen Buches hätte es doch endlich die Möglichkeit gegeben, diese superraren Sammlerobjekte angemessen und nicht nur briefmarkengroß abzudrucken! Mehr allerdings läßt sich nicht kritisieren. Diese Box ist eine sachkundig und liebevoll zusammengestellte Würdigung des künstlerischen Schaffens einer der zentralen Figuren der Geschichte der populären Musik in Deutschland. 



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