
(Anna
Maria Mazzini)
*25.03.1940
in Busto Arsizio
italienische Sängerin, Schauspielerin
War seit Anfang der 60er Jahre in Italien erfolgreich, kurz danach auch mit deutschsprachigen Titeln in den Hitparaden vertreten.
"Heißer
Sand"(1962); "Capitano" (1963); "Meine Tür steht immer offen" (1963);
"Bis zum nächsten Mal" (1963); "Ja, die Liebe lebe hoch" (1964); "Fremdes
Land" (1964).
Diese
junge Frau, blond und hochgewachsen, ist Italienerin von Geburt; ihr Vater
als Industrieller hätte ihr viel lieber eine "standesgemäße"
Erziehung und ein Studium gewünscht.
Heute
gilt Mina als interessantester weiblicher Gesangsstar Europas, dem eine
große Karriere bevorsteht. Ihre hervorragend ausgebildete Stimme
genügt höchsten Ansprüchen und die überraschend klare
deutsche Aussprache ebnete hier rasch den Weg. Dabei war all dies von Anfang
an nicht geplant. In der Schule hatte sich Mina zu einem kleinen Allround-Genie
entwickelt und war im Tanzen, Schwimmen, Tennis, aber auch in Fremdsprachen,
ihren Freundinnen immer um einiges voraus.
Mehr
aus einer Laune heraus nahm sie 1958 an einem Gesangswettbewerb teil und
erhielt zur eigenen Überraschung den 1. Preis. Es folgten TV und Schallplatten.
Stationen ihres Erfolges wurden Italien, Südamerika, Spanien, Portugal
und sogar Japan. In der Peter Kraus Fernsehshow wurde Mina erstmals der
deutschen Öffentlichkeit vorgestellt und gewann mit Aufnahmen wie
"Heißer Sand" auf Anhieb die Herzen und war auch mit deutschsprachigen
Titeln in den Hitparaden vertreten.
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| A)
Heißer Sand
B) Ein treuer Mann Polydor 24 793 (1923) |
A)
Fiesta Brasiliana
B) Tabu aus dem Stadthallen-Constantin-Farbfilm "Das haben die Mädchen gern" Polydor 24 900 (1962) |
A)
Mister Twist
B) Meine Tür steht immer offen Polydor 52 075 (1963) |
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| A)
Am Rio Grande
B) Bis zum nächsten Mal Polydor 52 152 (1964) |
A)
Fremdes Land
B) Tausendundeine Nacht Polydor 52 247 (1964) |
A)
Er hatte blaue Augen
B) Rhapsodie Polydor 52 333 (1964) |
Im Jahre 1962 war ich zwölf
Jahre alt. Mein Lieblingslied war damals "Heißer Sand", gesungen
von der
aus
Italien stammenden Mina. Das Lied war ihre erste Aufnahme in deutscher
Sprache. - In deutscher Sprache? Na ja, es war wohl eher ein Kauderwelsch,
das ans Deutsche erinnerte, durchsetzt mit Wortbrocken, die beim besten
Willen unverständlich bleiben mußten. Aber das war nicht weiter
schlimm, denn der "Text" dieses Songs war im Grunde so angelegt, daß
sich jeder Hörer seinen eigenen Reim darauf machen konnte. Und genau
das machte die Platte vermutlich so erfolgreich. "Schwarzer Tino, deine
Rina / War beim Rocco schon im Wort / Weil den Rocco sie nun fanden /Schwarzer
Tino mußte fort", so lauteten die ersten Zeilen. Heute schlußfolgere
ich daraus, daß es sich um ein Eifersuchtsdrama gehandelt haben muß.
Wahrscheinlich war es so, daß ein Farbiger namens Tino die Verlobte
eines gewissen Rocco begehrte und versucht hatte, das daraus resultierende
Problem mittels eines Mordes zu lösen. Aber dann kam alles raus und
der Farbige mußte fliehen, vermutlich nach Afrika, denn es heißt
ja dann im Refrain "Heißer Sand und ein verlorenes Land" und wo,
wenn nicht in Afrika, ist der Sand so heiß und das Land so verloren?
So oder ähnlich muß sich das damals Mina oder besser gesagt,
Kurt Feltz, der diese Zeilen dichtete, vorgestellt haben, und meine fortgeschrittene
Lebenserfahrung läßt mich heute die Brisanz der geschilderten
Konstellation klipp und klar erkennen. Hätte mich allerdings damals
jemand gefragt, was dieser Text zu bedeuten habe, ich hätte es vermutlich
beim allerbesten Willen nicht sagen können. Eines aber wußte
ich mit Sicherheit: Ich fand diesen Text super. "Heißer Sand und
ein verlorenes Land und ein Leben in Gefahr..." - das klang in meinen Ohren
gefährlich, düster, diabolisch, geheimnisvoll und machtdurchtobt.
So und nicht anders mußte es sein, all das, was ich schon immer einmal
gerne erlebt hätte und von dem ich nicht sicher war, ob ich es mir
irgendwann einmal trauen würde. Und kein anderer Schlagertext vermochte
mir je eine ähnliche Ahnung davon zu vermitteln, welche Gefahren im
Leben auf mich lauern, welche Schicksalsschläge meiner harren und
wie ich ihnen erfolgreich würde trotzen können. Immer, wenn ich
einmal nicht weiter wußte, dann legte ich diese Platte auf, glücklich
darüber, daß es in Mina einen Menschen gab, der mich voll und
ganz verstand. "Nur die Wellen singen leise / was von Tino jeder weiß"
- genau. Eigentlich blieben nach "Heißer Sand" keine Fragen mehr
offen.
Dennoch sollte es noch eine zweite Platte von Mina geben, die ähnlich erfolgreich war: "Fiesta Brasiliana" und "Tabu", zwei außerordentlich starke Titel. Das Publikum hatte die Wahl zwischen der A und der B-Seite - damals war so etwas noch gang und gäbe, erst später ging man dazu über, einem auf der B-Seite irgendwelchen nichtssagenden Kram unterzujubeln. Mir gefiel ganz besonders der Titel "Tabu": "Heut seh ich ein Band mit lauter Sternen, / heller als Laternen / dort am Ufer stehn. / Heut geh ich den schönsten Weg auf Erden, /doch die andern werden /mich nie wiedersehn", so sang Mina dieses Mal. Mir war nicht klar, was für ein Weg das war, den sie da ging, aber ich hatte da so eine Ahnung: Ob sie etwa?... Oder vielleicht doch nicht? Überall am Strand, da seh ich Lichter / und seh die Gesichter, die ich nie gesehn.. ." Ich hätte es zu gerne herausbekommen, aber es gab niemanden, den ich danach hätte fragen können, und ich fühlte tief in mir drinnen, daß das besser war so. "Tabu, Tabu, es scheint gefährlich zu sein, was ich tu..." In der Tat: Mina brachte einmal mehr auf den Punkt.
"Heißer Sand"; "Tabu" und "Fiesta Brasiliana" waren drei Hits aus der Schlagerwerkstatt von Werner Scharfenberger und Kurt Feltz und gehören zu den wohl legendärsten Hits der sechziger Jahre. Doch Scharfenberger und Feltz hatten ihr Pulver damit verschossen. Keiner der Songs, die sie in der Folgezeit für Mina schrieben, konnte diesen drei Titeln qualitativ das Wasser reichen und keiner von ihnen wurde auch nur ansatzweise so erfolgreich wie sie: "Capitano" brachte es 1963 zwar noch einmal bis Platz 17. Aber den Folgetiteln "Meine Tür steht immer offen" (höchste Position: Platz 33), "Bis zum nächsten Mal" (Platz 35) und "Ja, die Liebe lebe hoch" (Platz 28) blieb der große Durchbruch verwehrt. Die Aufnahme "Fremdes Land" hätte vielleicht noch einmal das Zeug für einen großen Hit gehabt, aber im musikalischen Strudel der bewegten Beat Ära konnte sich Mina mit diesem wunderschönen Lied leider kein Gehör mehr verschaffen. "Fremdes Land" arbeitete sich gerade noch bis Platz 39 vor, seitdem konnte sich die italienische Diva nie wieder in den BRD-Charts plazieren. 1974 veröffentlichte sie ihre letzte in deutscher Sprache gesungene Single: "Die Liebe am Sonntag". Seitdem gehört ihr musikalisches Wirken hierzulande der Vergangenheit an.
Ganz anders in Italien. Mina war schon lange vor "Heißer Sand" in ihrer Heimat ein gefeierter Star und gehört dort auch noch heute zu den ganz Großen. Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht sie alljährlich ein neues Album, und ebenso regelmäßig plaziert sie sich in den Italo-Bestsellerlisten auf Platz 1. Mina ist südlich der Alpen eine Institution, eine Legende, ein Mythos. Und dies, obwohl sie seit 1978 keinen einzigen öffentlichen Auftritt mehr absolvierte - sie lebt still und zurückgezogen im selbstgewählten Tessiner Exil.
Minas epochale Schlager "Heißer Sand" und "Tabu" bzw. "Fiesta Brasiliana" sind auf Flohmärkten heute nur noch recht selten aufzustöbern. Auf Plattenbörsen hingegen gehören sie zum gängigen Angebot. Komplett mit Onginalhülle muß der Oldiefan jeweils etwa 10 bis 20 DM bezahlen. Nur wenig teuerer sind Minas andere deutsche Singles: Sie wurden zwar seinerzeit in wesentlich geringerer Anzahl unters Volk gebracht, aber Mina hat in Deutschland nur in einer kleinen (allerdings absolut eingeschworenen) Fan-Gemeinde einen Kult-Status erreicht, der Plattenpreise ins Utopische steigen läßt. Tief in den Geldbeutel muß allerdings greifen, wer Langspielplatten von Mina sucht. Die in den frühen 60ern superteuren 30cm Scheiben findet man heute so gut wie überhaupt nicht mehr. Von Mina gab es nur eine einzige allein von ihr besungene deutsche LP ("Ihre großen Erfolge", noch auf dem Polydor-Sternchen-Label), die ist - wenn überhaupt - nur zum Liebhaberpreis käuflich zu erwerben.
Darüber hinaus gibt es die "Teenagerparty 64", den supertollen Mitschnitt einer ZDF-Sendung, in der neben Mina noch Gus Backus, Thomas Fritsch, Ted Herold und Peter Kraus mit von der Partie waren. Nach jahrelangem Suchen erstand ich die Platte bei einer Auktion für 200 DM. Eine andere LP, auf der Mina gemeinsam mit anderen Stars der frühen 60er bewundert werden kann, ist "Das haben die Mädchen gern", der Soundtrack des gleichnamigen Schlager-Filmes. Diese Scheibe ist mir leider trotz aller Bemühungen nie angeboten worden - schade, alleine schon das Cover (Mina Arm in Arm mit Gus und Peter) ist ein Leckerbissen allererster Güte.
Ganz
außerordentlich ist man mit einer kürzlich erschienenen CD bedient.
"Heißer Sand" (Bear Family BCD 15872 AH) vereint auf einem einzigen
Silberling Minas gesamtes (!) deutschsprachiges Repertoire und listet für
den interessierten Hörer exakt Aufnahmedaten, Masternummern und, sofern
es sich um Cover-Versionen handelt, die Titel der Originalaufnahme auf.
Ganz besonderes Bonbon: Der Text des Booklets wurde von einem absoluten
Mina-Fan verfaßt, die Liebe zu seinem Idol springt dem Leser Zeile
für Zeile förmlich entgegen. Sehr, sehr schön. Seinen Zeilen
entnehme ich auch die folgende Information: Als der TV-Mogul und kurzzeitige
italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ihr einmal einen
Blanko-Scheck mit der Bitte um einen öffentlichen Auftritt zukommen
ließ, da zerriß sie das Angebot ohne Zögern. Daß
sie diesem Lackaffen einen Korb gab, das ehrt sie fürwahr. Auf Mina
ist eben einfach nach wie vor Verlaß.