MARLENE DIETRICH

(Maria Magdalena von Losch)
*27.12.1901 in Berlin
gest. 06.05.1992 in Paris

deutsch-amerikanische Sängerin Schauspielerin

Mußte ein Geigenstudium wegen einer Sehnenentzündung aufgeben, absolvierte danach ein Schauspielstudium an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin.

Schaffte ihren Durchbruch zum Weltruhm in der Heinrich-Mann-Verfilmung "Der blaue Engel" (Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt).

Sie spielte die Hauptrollen in einigen Hollywood-Erfolgen u.a. "Herzen in Flammen" (1930), "Shanghai-Express" (1931), "Engel" (1937), "Der große Bluff' (1939).

1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an, während des 2. Weltkrieges spielte sie vor amerikanischen Soldaten in Europa und lehnte mehrere Angebote der Nazis zur triumphalen Rückkehr ab.

Nach dem Krieg spielte sie u.a.in "Martin Roumagnac" (1946). "Eine auswärtige Affäre" (1947/48). "Zeugin der Anklage" (1957).

Als Chanson- und Liedersängerin war sie in einer zweiten Karriere ebenfalls erfolgreich. Ab 1975 lebte sie zurückgezogen in Paris.

Titel: "Ich bin die fesche Lola" (1930), "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" (1930), "Lili Marleen" (1945); "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin" (1951) "Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht" (1960), "Sag mir wo die Blumen sind" (1962); "Die Antwort weiß ganz allein der Wind" (1964);"Wenn ein Mädel einen Herrn hat" (1965)

(aus "Das Lexikon des deutschen Schlagers - Geschichte-Titel-Interpreten-Komponisten-Texter", hrsg. von Matthias Bardong, Hermann Demmler, Christian Pfarr - Mit einem Vorwort von Christian Bruhn 1993, Serie Musik: Piper Schott, Mainz TB 29,90 DM ISBN 3-7957-88208-2 - im Buchhandel erhältlich)
 
A) Ich hab' noch einen Koffer in Berlin
B) Peter
Philips 300 534 BF (1954)
A) Falling In Love Again
B) Blonde Women
C) This Evening, Children
D) Lola
His Master's Voice 7EG 8257 (1954)
A) Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (aus "Der blaue Engel")
B) Nimm dich in acht vor blonden Frauen (aus "Der blaue Engel")
C) Wenn ich mir was wünschen dürfte (aus "Der Mann, der seinen Mörder sucht")
D) Leben ohne Liebe kannst du nicht (aus "Nie wieder Liebe")
Electrola E 40 929 (1958)
A) Symphony
B) Illusions
C) Black Market
D) You Go To My Head
Brunswick 10 180 EPB (1960)
A) Mein blondes Baby
B) Allein in einer großen Stadt
(Historische Aufnahmen)
C) The Boys in the Backroom
D) You've Got That Look 
(Originalaufnahme aus dem Universal-Film "Destry Rides Again"-"Der große Bluff"
Polydor E 76520 (1960)
A) Sag mir wo die Blumen sind
(Where have all the flowers gone)
B) Die Welt war jung
(Le Chevalier de Paris)
Electrola E 22 180 (1962)
A) Die Antwort weiß ganz allein der Wind
B) Sag mir, wo die Blumen sind
Amiga 4 40 032 (1964)
A) Still war die Nacht
B) Glocken läuten
Philips 346 024 BF (1966)

Weltstar Marlene Dietrich
Unendlich viel ist bis heute über sie geschrieben worden. Genau so viel wird auch in Zukunft noch über sie geschrieben werden. Wer und wie ist diese attraktive Marlene wirklich? Ist sie der berechnende, männermordende Vamp, von dem man hinter der Hand versteckt flüstert? Ist sie der von ihr so unvergessene dargestellten Lola im "Blauen Engel" verwandt? Oder ist sie die auf den unzähligen Höhepunkten ihres Triumphes einsame Frau, die jedem Anflug von Sentimentalität mit kühler Distanz und der Faszination ihrer Persönlichkeit begegnet? Keine ihrer Millionen Bewunderer in aller Welt vermag eine verbindliche Antwort auf diese Fragen zu geben. Doch das unentwegte Rätselraten über den realen Kern der Dietrich-Legende belastet das herb-herzliche Einvernehmen zwischen Künstlerin und Publikum genau so wenig wie die vielen gut- oder bösgemeinten Stories, "authentischen Verlautbarungen" und Tatsachenberichte, die immer im Kielwasser des Ruhms zu schwimmen pflegen. Selbst hartgesottene Kritiker und Marlene-Gegner haben es längst aufgegeben, dem Geheimnis ihrer Kontrahentin allein mit der bei solcher Gelegenheit gern bemühten Erotik in Figur, Physiognomie und Stimme auf die Sprünge zu kommen. Das gezielte Schlagwort von der "charmantesten Grossmutter unseres Jahrhunderts" gibt - wenn auch regelmässig wiederkehrend - keinen Aufschluss darüber, wie es zu der stürmischen Verehrung kam. Wie ist sie wirklich, die grosse Dietrich? Mit unnachahmlich kessem Augenzwinkern überlässt sie jedem von uns genau das Bild, das er sich selbst von ihr zurechtgemacht hat. Und im Hintergrund erklingt dezente, leicht melancholische, liebenswerte , verliebte Musik. Musik von der Art, wie sie mit dieser Platte zu Ihnen ins Haus kommt. Bitte gedämpftes Licht für Marlene Dietrich!
(Text auf der Rückseite der Polydor EP E 76 520 - Weltstar Marlene Dietrich)
 
 

Marlene Dietrich wurde durch die Darstellung der "tollen Lola" in dem 1930 gedrehten Film "Der blaue Engel" (nach Heinrich Manns Roman "Professor Unrat") weltbekannt und bewies bereits hier ihre außergewöhnliche Gestaltungskraft als Chansonsängeirn. Für immer blieb ihr Name mit dem Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" verknüpft. Sie wurde nach Hollywood verpflichtet und verkörperte in vielen Filmen nicht nur den Vamptyp, sondern wandte sich auch Charakter-Darstellungen zu (z.B. in "Das Urteil von Nürnberg"). Das Angebot Goebbels´, in das faschistische Deutschland zurückzukehren, lehnte sie entschieden ab. Ihre gegen das Hitler-Regime gerichtete Tätigkeit im zweiten Weltkrieg löste während ihrer Gastspiele in Westdeutschland 1960 und 1963 eine böswillige, von reaktionären Kräften inspirierte Presse-Kampagne aus.

Dessen ungeachtet hat sich die Künstlerin gerade in letzter Zeit betont dem politischen Chanson zugewandt und mit den Liedern "Sag mir, wo die Blumen sind" und "Die Antwort weiß ganz allein der Wind" neue internationale erfolge errungen. Worin liegt der Grund für den Erfolg dieser Lieder? Marlene Dietrich gibt selbst die Antwort: "... weil es Antikriegslieder sind!" - Eine derart klare Aussage innerhalb eines musikalischen Genres, das in den westlichen Ländern oft genug zu Zwecken der Ablenkung und politischen Entmündigung mißbraucht wird, ist neu und spricht nicht nur für den Mut der Künstlerin Marlene Dietrich, sondern auch für die wachsende Aufgeschlossenheit breiter Hörerschichten in diesen Ländern. Die in beiden Stücken erhobene Anklage findet unserer Zustimmung, wenn wir auch als deutsche auf Grund eigener bitterer Erfahrung wissen, daß man den imperialistischen Kriegstreibern weder von einer pazifistischen noch fatalistischen Position aus in den Arm fallen kann. "Die Antwort weiß ganz allein der Wind", - nein, Millionen von Menschen kennen heute die Verderber und wissen ihnen zu antworten. Diese Feststellung schmälert jedoch nicht die mutige, große Leistung der Künstlerin Marlene Dietrich, die auf ihre Weise und im Rahmen ihrer Möglichkeiten für eine menschliche, von Kriegsdrohung freie Zukunft eintritt.
(S.K. auf der Rückseite der Amiga Single 4 40 032 - VEB Deutsche Schallplatten - Berlin W8)
 

Hallo Marlene!

Wissen Sie, was ein Schimmel ist? Nein, weder das Pferd noch der Pilz sind gemeint. "Ein Schimmel - das sind sinnlose, unbrauchbare Worte, die man probeweise unter eine Melodie legt, um sie einmal ohne Lalala zu hören", erklärt uns Friedrich Hollaender, dessen Namen Sie sicher schon unter den meisten Chansontiteln dieser Platte entdeckt haben. Was das mit Marlene Dietrich zu tun hat? Mehr, als man glauben möchte. Ein solcher "Schimmel" ist nämlich vor rund 30 Jahren Weltschlager geworden, und gesungen hat ihn Marlene Dietrich. Sie ist mit ihm und er durch sie berühmt geworden. Es ist ... Nein, beginnen wir ganz von vorn. 1929. In den Babelsberger Ateliers sollte der erste große deutschen Tonfilm in Produktion gehen. Die Ufa hatte weder Kosten noch Mühe gescheut, um die Voraussetzungen für einen Kassenerfolg zu schaffen: Der eben (mit einem "Oscar"!) aus Amerika zurückgekehrte Emil Jannings war für die Hauptrolle vorgesehen, Josef von Sternberg, einer der Prominenten von Hollywood, sollte die Regie übernehmen. Nur über die literarische Vorlage des Films konnte man sich noch nicht einigen. Jannings und Sternberg hatten nämlich Heinrich Manns "Professor Unrat" vorgeschlagen. Aber der Verfasser des "Untertan" als Autor im Konzern des deutschnationalen Herrn Hugenberg? Unmöglich! Da Jannings und Sternberg jedoch hartnäckig darauf bestanden, gab die Ufa schließlich nach. Carl Zuckmayer, der Drehbuchautor, mußte eben den Stoff im Sinne der Filmgesellschaft "salonfähig" machen. Und so wurde aus dem "Professor Unrat" der "Blaue Engel". Lange suchte Jannings und Sternberg nach einer geeigneten Darstellerin für die Rolle der tollen Lola: "Wo war in Deutschland eine Frau, der man glauben konnte, ein erotisches Erdbeben zu verursachen, das einen vertrockneten Stubenhocker völlig durcheinanderschüttelte?" Endlich glaubten beide, sie in einer jungen, noch fast unbekannten Berliner Schauspielerin gefunden zu haben, die in der Revue "Zwei Krawatten" spielte: Marlene Dietrich.

Nach den Probeaufnahmen, die zur größten Zufriedenheit des Regisseurs ausfielen, setzte es Sternberg - wieder gegen den Willen der Ufa ("Eine Unbekannte? Neben Jannings?") - durch, dass Marlene die Rolle der Lola übertragen wurde. Doch damit noch nicht genug der "amerikanischen Kinkerlitzchen": Friedrich Hollaender, der nicht gerade "zahme" Komponist und Chansondichter der Berliner Kabaretts, wurde auf Betreiben Sternbergs zum Produzenten Erich Pommer beordert und erhielt dort - für ihn völlig überraschend - den Auftrag, die Filmmusik für den "Blauen Engel" zu schreiben. Hollaender schwört darauf, daß hier die Norne Werdandi, "die Tante, die sich mit dem Werdenden befaßt", ihre Hände im Spiel hatte. Denn er war ja lediglich nach Babelsberg mitgefahren, um als "Nebenperson" der "Hauptperson" (einer der vielen Bewerberinnen für die Rolle der Lola, die seine Chansons vortrug) ein bißchen "auszuhelfen", d.h. sie am Klavier zu begleiten. Nun, Friedrich Hollaender stürzte sich schließlich auf die für ihn neue Aufgabe. Bereits eine Woche später erscheint er in Erich Pommers Büro. Unter dem Arm trägt er etwas, was seiner Meinung nach "mühelos den Oscar für Vulgarität einheimsen dürfte". Und dann legt er los: "Ich bin die fesche Lola, der Liebling der Säsong..." Obwohl er selbst denkt: entsetzlich ! - es gefällt Heinrich Mann, es gefällt Sternberg und Pommer, und es gefällt Marlene. Durch die allgemeine Zustimmung beflügelt, bescherte Hollaender "dem Kollegium" in rascher Folge neue "Kunstschöpfungen", um das "Milieu" zusammenzubekommen: "Kinder, heut´ abend such ich mir was aus!", "Nimm dich in acht vor blonden Frau´n" u.a. "Marlene war selig", konnte er befriedigt feststellen.

Dafür hatte aber Produzent Pommer noch "einen Bauchschmerz": Die sentimentale Nummer fehlte. Hollaender überlegte: "Was singt so eine Lola?" Er kam zu dem Schluß: einen langsamen Walzer, "schmachtend plus schicksalhaft". Als die Melodie auf dem Papier festgehalten war, machte er einen "Schimmel". Und dann war es soweit. Pommer, Sternberg, Jannings und seine Frau, Zuckmayer, Marlene Dietrich und Heinrich Mann stehen um den Komponisten herum, und der singt, unter tausend Entschuldigungen wegen des Schimmels: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt..." Zum größten Erstaunen Hollaenders applaudiert die ganze Gesellschaft nach dem Vortrag. Es nützt gar nichts, daß er wiederholt versichert, daß das doch nur der Schimmel sei. "Wat heißt hier Schimmel?" läßt sich Jannings lautstark vernehmen. "Dat is er!" Damit war es beschlossene Sache: Der Text blieb, wie er war. Und schon kurze Zeit später konnte Hollaender sagen: "Ein Schimmel geht um die Welt."

Nun halten Sie die Platte in der Hand, auf der Marlene Dietrich alle die Chansons von damals singt, die durch sie zu Schlagern und letztlich zu Evergreens wurden. Jahre sind vergangen, Jahrzehnte, um genau zu sein, doch die Lieder sind genau so frisch wie am ersten Tag. Überhaupt nicht ein bißchen vergilbt, voller Leben und - voller Geist! Aus Marlenes Stimme hören wir noch immer den Stolz des "Lieblings der Säsong", wenn sie als fesche Lola dem Publikum der Mitteilung macht, daß sie "daheim in meinm Salong" ein "Pi-a-no-la" hat. Stolz worauf? Auf den ungewöhnlichen Besitz oder auf das kostbare Fremdwort? Marlene läßt das offen, aber ist es ihr damit nicht gelungen, die Zweideutigkeit des Textes aufzuheben, oder hat sie gerade dadurch wieder hervorgekehrt? Nachahmung und Parodie halten sich bewundernswürdig sicher die Waage. Diese Lola ist keine versoffene "Dame", die sich aufs "Hauen" und "Treten" versteht. Sie ist auch keine lächerliche Witzfigur für die "besseren Leute" im Parkett. Sie ist einfach - Trompetenblech und Pianogeklimper in der Stimme - die für damalige Verhältnisse typische Großstadtpflanze, vulgär und doch zugleich dezent, lächerlich, aber doch auch wieder liebenswert. In Marlenes Vortragskunst macht die Keßheit mit ebenso traumhafter Sicherheit an den Grenzen des Ordinären halt wie ihre Sentimentalität an denen des Kitsches. Das sentimentale Genre gehört - sozusagen als "Fixum" - in jedes Programm einer Chansonette oder Diseuse. Es ist eben der Brauch, daß zwischen den feschen und komischen Liedern und Liedchen auch ein bißchen in Sehnsucht und Abschiedsweh gebadet wird. Bei Marlene werden wir vergebens dabei nach einer routinierten Verbrüderung mit dem allgemeinen Heul- und Schnupfbedürfnis forschen. Sie versteht es, ihre Stimme an der kritischen Stelle genau den Nachdruck, die Lautstärke zu verleihen, die das sentimentale Genre braucht, um sich in den Bereich der Kunst hineinzuretten.

"Jonny, wenn du Geburtstag hast", diesen Chanson, in dem das Sentimentale in Gänsefüßchen steht, ist beinahe ebenso bekannt geworden wie die Melodien aus dem "Blauen Engel". Wenn sie es singt, dann ist uns das arme Ding, das sich sooo sehr nach dem Jonny sehnt, ganz gegenwärtig und doch zugleich durch ein Augenzwinkern Marlenes in einer heitere Distanz gerückt. Für all das steht ihr eine Skala von seufzenden, schnurrenden, gurrenden, flehenden und dann zuletzt gar selbstvergessen in die Tiefe hinabgleitenden Tönen zur Verfügung, die wohl einmalig ist. Der frechste Schlager ("Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht") wird in Marlenes Munde anmutig, das traurigste Chanson ("Allein in einer großen Stadt") gewinnt eine bezaubernde Helligkeit. Kein Geringerer als Ernest Hemingway hat einmal gesagt: ""Wenn sie nichts weiter hätte als ihre Stimme, es genügte, dein Herz zu brechen."
(Hannelore Neumann auf der Rückseite der Amiga LP 8 40 030 "Hallo Marlene" - 1966 - VEB Deutsche Schallplatten 108 Berlin)
 
 
 
Wiedersehen mit Marlene 
Marlene Dietrich in Deutschland
Electrola E 83 220 Album (1962)

 
 
 
 
 
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