

Marion
Maerz (Marion Litterscheid).
*
17.8.1943 in Flensburg.
Trat zunächst unter ihrem bürgerlichen Namen auf, dann als Marion, jetzt als Marion Maerz.
Vater Prokurist in einer Keksfabrik - immer unterwegs und oft versetzt. Kindheit und Jugend in Flensburg, Augsburg, Ulm, Hannover, heute in Berlin. Abitur. 1 Jahr Sekretärinnen-Schule, Gesangsunterricht. 2. Preis bei einem Nachwuchswettbewerb.
Bekannte Titel: "Fällt ein Stern zur Welt", "Er ist wieder da". 1972 Teilnahme an der deutschen Vorentscheidung zum "Grand Prix Eurovision" mit "Halleluja Man".
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| A)
Liebe auf den ersten Blick
B) Mister Boyfriend Polydor 52 361 AT (1964) |
A)
Er ist wieder da
B) Blau, blau, blau Hansa 18 516 AT (1965) |
A)
Wie soll es weitergehn
B) Wir halten zusammen Hansa 18 780 AT (1966) |
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| A)
Mach nicht die Tür zu
B) Wenn das kein Zufall ist Hansa 18 950 AT (1966) |
A)
Ich hab' einen guten Freund gehabt
B) Du wirst schon sehn, was Du davon hast Hansa 19 150 AT (1966) |
A)
Er und ich
B) Hinter Glas Hansa 19 410 AT (1967) |
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| A)
Klopf auf Holz
B) Nur beim Abschied nicht weinen Hansa 19 610 AT (1967) |
A)
Andy
B) Da gehören zwei dazu Hansa 19 864 AT (1967) |
A)
Round And Round
B) Fällt ein Stern zur Welt Hansa 14 137 AT (1968) |
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| A)
Weit, weit, weit
B) Sugar, Sugar Hansa 14 414 AT (1969) |
A)
Nur du (El Condor Pasa)
B) Bis ans Ende aller Tage Hansa 14 599 AT (1970) |
A)
Es ist so gut
B) Wach' ich oder träum' ich Reprise 14 187 (1972) |
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| A)
Shalom
B) S-t-e-f-a-n Reprise 14 253 (1973) |
A)
Bald kommt der Sommer wieder
B) Chiribim, Chiribom Reprise 14 323 (1974) |
A)
Schlaf heut abend nicht im Park
B) Zigeuener-Lady Ariola 13 307 (1975) |
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| A)
Ist es aus und vorbei?
B) Manchmal habe ich Angst mit Anthony (Monn) Ariola 16 525 (1976) |

| 30-cm-Langspielplatte
75 437 Stereo |
MARION
Ich hab' einen guten Freund gehabt Nur beim Abschied nicht weinen So fing es an Blau, blau, blau Wie soll es weitergehn Bis ans Ende aller Tage Wenn du da bist Mach nicht die Tür zu Nichts als Sorgen macht er mir Du bist genau wie die anderen Du wirst schon sehn, was du davon hast Er ist wieder da |
Ein
Lied genügte, um ihr auf alle Zeiten einen Platz im Schlagerhimmel
zu sichern. "Er ist wieder da" gehört zu den Liedern, die so zu den
sechziger Jahren gehören wie zehn Jahre zuvor "Egon", und zehn Jahre
später "Theo, wir fahr'n nach Lodz" und ein weiteres Jahrzehnt später
Geier Sturzflugs "Bruttosozialprodukt. Die Sängerin: Marion.
Der mit Preisen überhäufte NDR-Regisseur Horst Königstein ("Sympathy For The Devil", "Hard Days, Hard Nights", "Der Tag an dem Elvis nach Bremerhaven kam") zählt sie zu den "schönsten und wichtigsten Figuren der sechziger Jahre".
Bernd Begemann, Musiker aus der
New Wave-Szene und Liedermacher von hoher Sprachkunst, fand sie schon immer
"großartig, weil sie unschuldig guckt, aber hinter ihren Augen immer
diese Entschlossenheit zu stecken scheint, ohne die ein einfaches Mädchen
nie nach oben kommen kann." Königstein engagierte Marion Maerz Anfang
dieses Jahres (1996) für eine Nebenrolle in seinem TV-Musical "Liane".
Die Geschichte erzählt die das Leben der Marion Michael, die Ende
der fünfziger Jahre als Dschungelmädchen Liane über Nacht
zum Star wurde. Marion Maerz, die im vorigen Jahr bei einem wenig erfolgreichen
Musical im Hamburger Neuen Theater mitspielte, hatte bei Königstein
mal angefragt, ob er ihr eine Chance geben könne. Der NDR-Mann zeigte
sich gewogen und setzte die Sängerin mit auf die Besetzungsliste.
Die Erfolgsgeschichte der Marion Litterscheid begann eigentlich erst im Herbst 1965. Damals lebte die am 17.August 1943 in Flensburg geborene noch bei ihren Eltern in Glücksburg nahe der dänischen Grenze. Sie hatte gerade vier Lieder mit minderen Erfolg bei der Polydor in Hamburg aufgenommen und buhlte jetzt bei der jungen Firma Hansa in Berlin um eine neue Chance. Hansa - Chef Peter Meisel nahm sie in seine Karte auf.
Eines Tages saßen der Komponist Christian Bruhn ("Zwei kleine Italiener", "Liebeskummer lohnt sich nicht") und der Autor Günter Loose ("Marmor, Stein und Eisen bricht") mit Meisel zusammen. Christian Bruhn erinnert sich: "Wir saßen zu dritt, Loose textete, ich klimperte auf dem Klavier. Produzent Peter Meisel, der dritte im Bunde ging zum Essen. Wir machten weiter." Loose ergänzt: "Ich malte mir aus, was wir sagen würden, wenn er zurückkommt. Ganz einfach: "Er ist wieder da." So war die Titelzeile geboren. Bruhn: "Wir hatten ganz sicher im Gefühl, daß das Lied etwas ist, was in Amerika "outstanding" genannt würde - etwas Außergewöhnliches." Der deutschsprachige Popmarkt ist allerdings etwas eigen. Das auch von Bruhn beherzigte Credo "Keep it simple, keep it sexy, keep it sad." - "mach es einfach - mach es anziehend - halt es traurig" galt in Deutschland nur ausnahmweise.
Marion Litterscheid mochte es nach ihrem erfolglosen Debüt bei der Polydor nicht glauben, dass sie tatsächlich künftig wieder als Sekretärin arbeiten sollte: "Ich wollte unbedingt wieder singen, dazu war mir fast jedes Mittel recht." Bei einem ihrer Besuche im Hansa - Studio, traf sie Christian Bruhn und hatte kurz darauf ihr Ziel erreicht. "Wie sie so daneben dem Klavier stand und etwas mitsummte, wusste ich, dass sie "Er ist wieder da" singen sollte. Sie hatte das gewisse Etwas. Die Zusammenarbeit war ja am Ende auch wunderbar. Sie ist hochmusikalisch."
Peter Meisel wollte kein Risiko eingehen. Er sah im Gegenteil zu Bruhn und Loose nicht das Potential des Schlagers. So wurde "Er ist wieder da" nur zur B-Seite. Gepriesen wurde statt dessen "Blau, Blau, Blau". Doch die Hörer bestätigten Bruhn und Loose. Am 15.Dezember 1965 stieg ihr Lied in die Hitparade, und blieb dort 16 Wochen, acht davon unter den ersten zehn. Belter Records in Spanien veröffentlichte beide Lieder sogar in Spanisch.
Marion hatte - vorläufig - geschafft, was viele andere Mädchen nur - meist vergeblich - hoffen konnten: vor Publikum zu bestehen und von ihren Träumen zu berichten. Die Sängerin weiß selbst, dass sie damals eher den romantischen Typ - so wie in Frankreich Francoise Hardy - verkörperte.
Ihr Vater, Sproß eines alten Raubrittergeschlechts aus dem Siegerland, ein Marineoffizier, der er später bis zum Prokuristen bei einer Hannover ansässigen Keksfirma brachte, förderte die künstlerischen Ambitionen seiner Tochter nur wenig: "Ich ging zur Ricarda-Huch-Schule in Hannover. Dort, Anfang der sechziger Jahre, machte ich mein Abitur. Ich hörte gerne den amerikanischen Soldatensender AFN. Am liebsten Elvis Presley." Ihr Berufziel: Schauspielerin oder Schlagersängerin.
Die erste Rosine im Kopf der jungen Frau wurde jedoch von ihrem Vater erst einmal gezogen: Sie durfte nicht zur Schauspielschule. Gesangsunterricht? Ja der ließ sich mit der Schule zeitlich vereinbaren. Doch musste Marion nach der Reifeprüfung erst eine Sekretärinnenschule besuchen - mit Erfolg. "Doch danach war Schluss, ich wollte ja nicht tippen und übersetzen, sondern singen."
Während
der Hannover-Messe 1964 jobbte sie als Messehelferin. Sie wurde von einer
Tonbandgerätefirma angeheuert und sang alle 15 Minuten einen Schlager
während sie das Tonbandgerät schwang: "So sollte demonstriert
werden, dass die Aufnahme auch funktioniert, wenn das Gerät erschüttert
wird."
Daraufhin wurde sie zum Pepsi-Cola-Wettbewerb ("Rhythmus von heute sucht Talente von morgen") eingeladen. Im Hannoveraner Kuppelsaal sang sie sich schließlich durch die Vorrunde und belegte dort den zweiten Platz. "Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Proben? Fehlanzeige. Das Orchester war klasse - es war das von Ambros Seelos. In der Vorrunde habe ich einen Titel aus dem Musical "Annie, Get Your Gun" gesungen - später noch drei andere. Doch nie den gleichen, und das war vielleicht entscheidend. Aus diesem Wettbewerb ist nur noch Joana bekannt, sie belegte damals den ersten Platz. Joana war Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre das weibliche Pendant zu Reinhard Mey und tritt mittlerweile mit einigem Erfolg auf einer Kleinkunstbühne in Heidelberg auf.
Der Auftritt im Kuppelsaal vor 1000 Zuhörern war nicht der erste Bühnenauftritt der Sängerin, auch nicht das erste Mal, daß sie vor Nervosität keinen Bissen mehr herunterkam: "Auch bei Schulreferaten war ich eine Woche vorher aufgeregt - und das hat sich bis heute nur wenig geändert."
Der Schallplattenvertrag, den sie beim Pepsi-Cola-Talentwettberb gewonnen hatte, sicherte ihr einige Aufnahmen bei Polydor in Hamburg zu, die unter ihrem Namen Marion Litterscheid veröffentlicht wurden: "Terry","Liebe auf den ersten Blick","Mister Boyfriend" und "Versprich mir nicht zuviel". Mehr als die zwei Singles wollten die Marktführer des Schlagergeschäfts nicht in sie investieren - das war ihr entschieden zu wenig. Sie hatte nun die Luft des Showgewerbes geschnuppert und wußte, daß sie dort gerne arbeiten würde.
Und dann kam, nun als Marion "Er
ist wieder da" - das war ein großer Sprung auf einmal. "Nein, das
hat
mir nicht
den Kopf verdreht", behauptet sie heute. "Geld spielte keine Rolle - ich
gab es mit Freunden und vollen Händen aus. Sparen? Das war mir fremd."
Sie trug viele modische Klamotten und fühlte sich - wie viele ihrer
Kolleginnen, die gleich am Anfang ihrer Karriere einen Hit landeten - als
heimliche Trendsetterin einer Generation. So scheu sie sich sieht, so entschieden
doch ihr Wille, nicht schon nach drei Stufen auf der großen Treppe
nach oben halt zumachen.
Erst weigerte sie sich, Lieder zu singen, die sie nicht mochte, und stellte sich schließlich doch ans Mikrofon: "Ich wusste, dass der Nachfolgetitel von "Er ist wieder da" nicht den Erfolg bringen würde - "Wie soll es weitergeh'n" war erkennbar die gleiche Masche. Und bei "Klopf auf Holz" hätte ich am liebsten gestreikt, aber ich ließ mich überreden." Wünsche, auch mal andere Sachen zu singen, wurden ihr mit Hinweis auf den Vertrag verweigert: "Einmal Schlagersängerin, immer Schlagersängerin", sagt Marion Maerz heute, "so ist das in Deutschland."
Immerhin war sie die erste deutsche Sängerin, die im "Beatclub" von Radio Bremen auftreten durfte: "Da war ich mächtig stolz - und ich finde, auch mit Recht. Denn da muß man erstmal hinkommen. "Dort sang sie "I go to sleep". Sie war auch international vorzeigbar, ihr Flair war nicht so, dass man in ihr nur die hausbackene Deutsche sah. Als sie eines Tages nach London in das Apple Studio kam, wo ausgelotet werden sollte, ob sie mit ihrem akzentfreien Englisch auch für den britischen Markt taugt, traf sie dort im Büro Paul McCartney: "Mir ist fast die Luft weggeblieben. Aber, typisch ich hab' ja kaum eine Silbe über die Lippen gekriegt. Ich dachte, jetzt soll der bloß nicht denken, dass ich ihn ganz besonders toll finde. Dabei fand ich ihn wirklich toll, aber gleichzeitig auch normal, nicht übergeschnappt, er plauderte mit mir und sagte, dass er "Blau, Blau, Blau" kennt und schön findet."
Es
gibt viele Titel, mit denen sie heute noch zufrieden ist: "Stand by your
man" hieß bei mir "Wer Liebe sucht". Später hat Marianne Rosenberg
auf meinem Playback gesungen. Das hat mir schon einen Stich gegeben, daß
meine Version nicht so erfolgreich war. Aber ich fand, dass ich es
gut gesungen habe."
"Ich hab' einen guten Freund gehabt" (sechs Wochen in der Hitparade vom 1.Dezember 1966 an) oder auch "Mach' nicht die Tür zu" (in der Vorrunde zu den Deutsche Schlagerfestspielen 1966 in Baden-Baden ausgeschieden; Siegerin war damals Wencke Myhre mit "Beiß nicht gleich in jeden Apfel", Dritter Roy Black mit "Irgend jemand liebt auch dich") gehören zu ihren Lieblingstiteln.
1970 hatte sie keine Lust mehr, ihre Produzenten wohl auch keine Geduld mehr mit ihr: Die Zeit der romantischen Mädchen war vorbei. Marion galt zudem als unberechenbar - nett, aber stets für Widerworte gut. Aber die Produzenten mochten sich dies nicht bieten lassen: Ein echter Star war sie längst nicht mehr - eine bekannte Nummer aus dem Schlagergeschäft, aber keine, die große Forderungen stellen konnte. So gingen in Berlin die Zeitläufe auch nicht spurlos an ihr vorbei. Als Rudi Duschke von einem durch die Springerpresse aufgehetzten Mann angeschossen wurde, ging auch die Sängerin demonstrieren: "Das war wichtig, natürlich war das auch die Zeit, ein bisschen rebellisch, ein wenig auf Krawall aus." Sogar einige Tröpfchen aus den Wasserwerfern der aufgescheuchten Polizei bekam sie ab.
Anfang der siebziger Jahre folgte ein grandioser Flop. Bei Warner Bros. veröffentlichte sie ein Album mit Liedern von Burt Bacharach. Die Schallplatte "Seite Eins, Marion März" ist heute ein Kultobjekt - sie war richtig gut - doch sie kam offensichtlich zur falschen Zeit: Sie lag wie Blei in den Regalen.
Damit hatte Marion März - wie ihr Künstlername inzwischen lautete - bewiesen, dass ihre Ansprüche auf Qualität berechtigt sein mögen, doch nicht zu verkaufen sind. 1975 sang sie mit Richard Anthony die deutsche Version des französischen Hits "Tu t'en vas von Alain Barrière und Noelle Cordier - kurz vor der Geburt ihrer und Frank Elstners Tochter Mascha. "Danach kam erstmal meineTochter", sagt sie heute, erklärend als Grund für ihren ausgebliebenen Erfolg.
Ihr
letzter Hit liegt nun schon einige Jahre zurück: Das war Suzi Quatros
und Chris Normans' "Stumblin' In", das sie zusammen mit Bernd Clüver
sang: "Schau mal herein." Das Lied gehört wie nur wenige Schlager
aus der Zeit Ende der sechziger Jahre zu den Seismographen veränderter
Einstellungen in der Gesellschaft: Frau und Mann sind geschieden - und
möchten dennoch Freunde bleiben - und einander begleiten. Da war nichts
mehr von hysterischen Eifersuchtsszenen zu spüren. Es war zudem ein
erwachsener Schlager, einer für Leute, die dem BRAVO-Alter entwachsen
sind.
Anfang der neunziger Jahre produzierte Marion Maerz notgedrungen, da die Nostalgiewelle des deutschen Schlagers noch nicht angebrochen war, noch etwas für ihren Geldbeutel - Volksmusik. "Nicht mehr mein Ding, aber die "Rose vom Wörthersee" habe ich trotzdem gern gesungen. Das war auch eine neue Erfahrung für mich, vor Leuten zu singen, die schunkeln und fröhlich sind."
Sie sucht jetzt - derzeit ohne Plattenvertrag
- neue Wege. Sie glaubt: "Ich kann viel, mein Potential ist längst
nicht ausgeschöpft." Bernd Begemann will mit ihr zusammenarbeiten,
eventuell auch auf Tournee gehen "mit neuen Sachen, solche die neu sind,
die noch keine gemacht hat - jetzt wo meine Tochter aus dem Haus ist, habe
ich wieder zeit, mich um meine Karriere zu kümmern. Müde bin
ich noch lange nicht."
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Bear Family CD
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Marion
ist neben Joy Fleming die am meisten unterschätzte deutsche Sängerin.
In den stürmischen Sechzigern, als die Hitlisten sämtlicher Jugendzeitschriften
von den Beatles, den Rolling Stones, den Kinks und den Beach Boys angeführt
wurden, da war sie neben Manuela und Drafi Deutscher eine der ganz wenigen
in deutscher Sprache singenden Interpreten, die sich gegen die überstarke
ausländische Konkurrenz behaupten konnte. Marion wurde damals gar
die Ehre zuteil, als erste einheimische Interpretin im Beat Club, Radio
Bremens absoluter Fernseh-Kultsendung, einen Auftritt zu bekommen - mit
einem englischen Titel ("I go to sleep", einer Komposition von Ray Davies
von den Kinks), aber immerhin.
Damals hatte sie einen durchschlagenden Hit, durch den sie zum Star geworden war: "Er ist wieder da". Es war ihre dritte Single-Schallplatte, nachdem zwei zuvor unter ihrem vollen Namen Marion Litterscheid aufgenommene Songs ("Liebe auf den ersten Blick" und "Terry") bedeutungslos geblieben waren. Das Lied war eine melancholische Teenager-Ballade und erzählte von einer unglücklichen Liebe: "Er ist wieder da, wieder hier. / Doch er läutet nicht an meiner Tür. Ale Leute in der Stadt haben ihn geseh'n. / Er ist wieder da, was ist nur geschehn?" So melancholisch dieses Liebesliedchen auch daherkam, so wenig entsprach es den Klischees der "Schnulze". Marion gelang damit etwas, das damals wie heute nur wenigen deutschsprachigen Interpreten gelingt. Liebeslieder mochte das Publikum seit jeher lieber in fremder Sprache. "I love you"' "Je t'aime" und Ti amo" hörte und hört sich unverfänglicher an als "Ich liebe dich". Populäre Lieder aus Deutschland thematisierten lieber das Heimweh nach fremden Ländern oder fragten, woher eigentlich die "Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe" stammte. Beim Thema Liebe indes, da glitt man schnell ins Seichte ab und käute plumpe Phrasen wider á la "Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß". Noch heute, in den Neunzigern, tut sich die Zunft der deutsch singenden Interpreten in Sachen Herzensangelegenheiten schwer. Zwar gibt es mittlerweile so umwerfend schöne Songs wie Udo Lindenbergs "Hinter dem Horizont" und Westernhagens "Komm in meine Arme", aber der Zeile "Ich lieb' dich" setzen Pur noch immer ein entschuldigendes "egal, wie das klingt" hinterher. Marions "Er ist wieder da" war ein Glücksfall: Auf dieser Platte vereinten sich eine zündende Melodie, ein glaubhafter Text und eine ausdrucksvolle, authentische Stimme. Es schien, als sei mit diesem Lied ein neuer Star geboren und Marion könne zu einer Art deutscher Francoise Hardy avancieren.
Doch
es kam anders. Die Folgeplatte mit den Titeln "Wie soll es weitergehn?"
und "Wir halten zusammen" konnte sich nicht höher als auf Platz 29
der Hitparade vorarbeiten. Alles, was "Er ist wieder da" so unvergleichlich
machte, das fehlte den beiden neuen Titeln: Sie hatten nicht die Spur von
Leichtigkeit und Authentizität, stattdessen klangen sie schrecklich
gewollt und versprühten aufgesetzten Pathos. "Wie
soll es weitergehn, wenn wir uns im Leben nie wiedersehn? /Was fange ich
nur an? /Gibt es keinen, der uns beiden helfen kann?"
die x-tausendste Variante des Konfliktes vom Typ "Meine Eltern verstehen
mich nicht" vermochte das junge, von englischen Beatsongs verwöhnte
Publikum nicht mehr zu überzeugen. Marions nächste Scheibe: "Ich
hab' einen guten Freund gehabt", war dann wieder wesentlich besser. Der
Song war ähnlich gelungen wie "Er ist wieder da", hatte eine ähnlich
schöne Melodie, einen ähnlich überzeugenden Text und war
auch ähnlich beat-like arrangiert. Das genau allerdings war wohl auch
sein Manko: "Ich hab' einen guten Freund gehabt" war ganz einfach "Er ist
wieder da" zu ähnlich. Die Fans, die noch wenige Jahre zuvor bereitwillig
jeden x-ten Aufguss von Freddy- und Rex Gildo-Schlagern bereitwillig
akzeptiert hatten, waren mittlerweile zu kritisch geworden, um sich länger
solche "Nachzieh"-Manöver gefallen zu lassen und gaben Marion den
Laufpass. Es reichte gerade noch für Platz 33 und dann war es
aus: Sämtliche Platten, die Marion in der Folgezeit veröffentlichte,
spielten - von einer einzigen Ausnahme abgesehen, keine namhafte Rolle
mehr.
Anfang
der Siebziger bekam sie die Chance, nunmehr unter ihrem neuen Namen "Marion
Maerz" als erste deutsche Interpretin des internationalen Plattengiganten
"reprise" eine LP mit Chansons zu machen. "Seite 1 - Marion Maerz singt
Burt Bacharach" erntete bei Kritikern begeistertes Lob, floppte kommerziell
jedoch absolut. Dafür landete Marion 1975, ein Jahrzehnt nach ihrem
Durchbruch mit "Er ist wieder da", noch einmal im Vorderfeld der Charts:
Eine deutsche Version des Nr.1 - Hits "Tu t' en vas" (im Original von Alain
Barriere und Noelle Cordier) brachte ihr gemeinsam mit einem Sangeskollegen
namens "Anthony" einen 15. Platz ein. Hinter diesem "Anthony" versteckte
sich übrigens keineswegs, wie mitunter vermutet wird, Richard Anthony,
sondern Anthony Monn, der sich später als Produzent von Amanda Lear
einen Namen machte). "Du gehst fort" blieb allerdings ein Strohfeuer ohne
Folgewirkung. Seitdem wagte Marion immer wieder einen neuen Anlauf, doch
ein Comeback wollte ihr einfach nicht mehr gelingen.
Nicht
immer war sie gut beraten: Von Peter Orloff ließ sie sich eine Zeitlang
als eine Art zweite Vicky Leandros vermarkten, nahm folkloristisch angehauchte
Null-acht-fünf-zehn-Schlager im Bouzouki-Sound auf und verkaufte sich
alles in allem reichlich unter Wert. Dennoch: Aus dieser Phase stammt eine
Single von Marion, die zu meinen absoluten Lieblingsliedern gehört:
"Lago Maggiore im Schnee", eine wunderschöne und absolut gefühlsintensive
Ballade der Meisterklasse. Vicky Leandros hatte sie schon einmal 1973 auf
Platte veröffentlicht, allerdings nie auf einer Single. Die Plattenfirma
benutzte den Song quasi als pädagogische Maßnahme, den damals
noch zögerlichen Absatz von LPs anzukurbeln. Marions Aufnahme erschien
nun mit einigen Jahren Verspätung. Vicky-Fans werden es mir sicherlich
nicht verzeihen: Bei "Lago Maggiore" und bei Marion hatten sich meines
Erachtens ein Lied und eine Stimme gefunden. Jeder Ton scheint Marion haargenau
auf den Leib geschrieben worden zu sein, und jeder Schluchzer sitzt wie
angegossen: "Lago Maggiore im Schnee / Einsame
Uferallee / Letzte Spuren vergangener Zeit /Bald sind sie ganz zugeschneit...",
das ist ein definitiver Höhepunkt deutschen Schlagerschaffens und
es ist mir unverständlich, wieso dieses Lied nie ein Hit wurde. Sollte
es irgendwann einmal ein Rundfunkredakteur entdecken, so würde es
garantiert noch heute riesig einschlagen. Leider gibt es "Lago Maggiore
im Schnee" meines Wissens derzeit auf keinem Tonträger zu kaufen.
Sollten
Sie die Platte irgendwann einmal auf einem Flohmarkt erspähen, zögern
Sie nicht und greifen Sie zu! Da die Single damals in keiner Hitparade
notiert wurde, gibt es von ihr nur wenige Exemplare. Dennoch dürfte
sie nur ein paar Mark kosten, denn die Nachfrage hält sich ja noch
immer in Grenzen. Ähnlich kostengünstig sind Marions weitere
Singles: "Er ist wieder da", "Wie soll es weitergehn?" und "Ich hab' einen
guten Freund gehabt" werden mit Preisen um 20 DM gehandelt, alle anderen
bewegen sich unter 10 DM. Die LP "Seite 1 - Marion Maerz" ist unter Kennern
mittlerweile so etwas wie ein Kultobjekt, doch mehr als 50 DM sollten Sie
nicht ausgeben. Dasselbe gilt für die beiden anderen bei "reprise"
erschienenen Marion Maerz-LPs aus den Siebzigern, "Nimm mich zu dir" (1972)
und "Shalom" (1973). Höhere Preise erzielt lediglich die fast nirgendwo
mehr erhältliche "Best of"-Zusammenstellung aus den sechziger Jahren
(Hansa 75437). Für sie muss man vermutlich einen dreistelligen
Betrag hinblättern - sofern man sie überhaupt einmal angeboten
bekommt. Auf CD wurden bisweilen nur die bei Polydor und Hansa aufgelegten
Lieder neu zugänglich gemacht: "Marion März: Er ist wieder da"
(Bear Family BCD 15964 AH) vereinigt mit Ausnahme von "I go to sleep" sämtliche
A- und sämtliche B Seiten sämtlicher Singles aus dieser Dekade
und zusätzlich die nicht ausgekoppelten Titel der "Best of"-LP. Das
Booklet ist so liebevoll gestaltet, wie man es bei dieser Plattenfirma
gewöhnt ist und enthält neben zahlreichen (leider klitzeklein)
wiedergegebenen Plattenhüllen eine gleichermaßen mit Witz wie
mit Liebe zum Detail abgefasste Hommage an Marion aus der Feder eines
taz-Redakteurs. (s.Text oben!) Sehr hübsch das Ganze. Aber hoffentlich
gibt es bald auch wieder eine CD, die Marions allerschönstes Lied
enthält. Sie wissen ja: "Lago Maggiore
im Schnee / schon die Erinnerung tut weh..."
