MARIKA KILIUS

*24.03.1943 in Frankfurt/Main

deutsche Sängerin, Eiskunstläuferin, Schauspielerin

War zunächst als Eiskunstläuferin (Partnerin von Hans-Jürgen-Bäumler), dann Mitte der 60er Jahre als Sängerin erfolgreich. Titel: "Zwei Indianer aus Winnipeg / Wenn Cowboys träumen"; "Honeymoon in St.Tropez" (mit Hans-Jürgen-Bäumler); "Kavalier, Kavalier" (alle 1964).
 
 
 
 
A) Wenn die Cowboys träumen
B) Zwei Indianer aus Winnipeg
CBS 1236 (1964)
A) Honeymoon in St.Tropez (mit Marika Kilius)
B) Nur der Mond war Schuld daran
CBS 1480 (1964)
Marika mit Fats & His Cats
A) Erst kam ein verliebter Blick
B) Himmelblaue Rosen gibt es nicht
CBS 2101 (1965)
A) Wenn junge Leute bummeln geh'n (mit Marika Kilius)
B) Gaucho Musikant
CBS 2131 (1965)

 

Westdeutschlands Schlagermarkt wurde bis in die sechziger Jahre hinein exklusiv von fünf großen Plattenfirmen beherrscht. Marktführerin unter ihnen war zunächst die anfangs konkurrenzlose Siemens - Tochter Polydor. Sie faßte nach Kriegsende als erste wieder Tritt, da ihre alten Fabrikationsstätten weitgehend erhalten geblieben waren. Seit 1950 ging zudem Teldec, ein Zusammenschluß der AEG-Tochter Telefunken und der britischen Decca mit an den Start. Gleichzeitig begann die niederländische Philips, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Erst 1953 konnte die aufgrund sehr gravierender Kriegszerstörungen stark gebeutelte Electrola die Produktion wieder aufnehmen, und als einzige Neugründung begann ferner 1958 der Buchclub Bertelsmann mit einer eigenen Schallplattenproduktion und präsentierte das heute längst zum Marktführer aufgestiegene Label Ariola. Die Geschäfte aller fünf Konzerne entwickelten sich lange Zeit hindurch prächtig, die Umsätze liefen bis in die frühen Sechziger Jahre bestens. Erst 1963, kurz vor dem Beat-Boom, stagnierte der Markt. Der Umsatz an Singles (sie beherrschten den Markt noch maßgeblich) ging erstmals merkbar zurück - nicht zuletzt Folge einer allmählich abflauenden Begeisterung für deutsche Schlager traditioneller Machart. Die Stimmung unter den Produzenten war dementsprechend gereizt. Und just zu diesem Zeitpunkt schickte sich der amerikanische Gigant CBS (heute "Sony") an, den bundesdeutschen Markt zu erobern. Die Herren ließen sich in Frankfurt nieder, machten sich auf die Suche nach Stars für den deutschen Markt - und landeten 1964 auch prompt einen Coup, der es in sich hatte:
Wenn es je in der deutschen Nachkriegszeit ein Traumpaar gegeben hatte, dann waren es die beiden Eiskunstläufer Marika Kilius und Hans Jürgen Bäumler.

Ihre Popularität war enorm, erst in den 90er Jahren sollte es mit Steffi Graf und mit Boris Becker noch einmal eine ähnlich große Begeisterung für zwei Sporthelden geben. Sie waren die absoluten Lieblinge der Bundesbürger, Millionen von ergebenen Fans drückten ihnen die Daumen, wenn sie ihre Pirouetten drehten, und jede ihrer Lebensäußerungen sorgte für ein wahres Rauschen im Blätterwald. CBS kam auf den glorreichen Gedanken, die beiden vor ein Mikrophon zu stellen und veröffentlichte das Ergebnis dieser Bemühung auf Schallplatte. Es kam, wie es kommen mußte: Das Publikum riß sich begierig um die Elaborate der beiden, die Herren Manager aus den Staaten hatten ihre Markteinführung in Gold Old Germany mit Bravour absolviert, ihr Unternehmen zählt - wenngleich mittlerweile fest in japanischer Hand - seither auch hierzulande zu den ganz Großen der Branche.

Auf dem Eis waren Marika und Hans Jürgen bravourös - singen konnten sie hingegen beim besten Willen nicht. Besonders Frau Kilius hatte ein derart dünnes Stimmchen - jeder anderen, weniger prominenten Interpretin wäre beim Gedanken, sich damit der Öffentlichkeit präsentieren zu müssen, die Schamesröte ins Gesicht gestiegen. Und was die beiden sangen, das war ebenfalls nicht so wichtig, die Erkennungsmelodie vom Maggi-Kochstudio hätte es auch getan - Hauptsache, es waren unsere Marika und unser Hans Jürgen. Marikas Song "Wenn die Cowboys träumen", ein außerordentlich belangloses Schnülzlein mit einer dürftigen Allerwelts-Melodie, einem zutiefst dämlichen Text und einem Arrangement, das Gittes "Ich will `nen Cowboy als Mann" reichlich platt nachempfunden war, schoß sofort nach Veröffentlichung in die Charts, stieß vor bis Platz 2 und konnte sich ganze 18 Wochen lang halten. Die CBS war hochzufrieden angesichts des glänzenden Starts ihres Zöglings. Die Konkurrenz indes war sauer und lancierte via BILD, es sei gar nicht die Eisprinzessin daselbst, die auf der Platte zu hören sei, sondern eine Chorsängerin mit Namen Leonie Brückner: Die Nation hatte ihren Skandal, die Umsatzzahlen blieben aber dessen ungeachtet weiter bestens.

Auch Hans Jürgen Bäumlers Plattendebüt kann nicht gerade als ein Highlight deutschsprachiger Sangeskunst bezeichnet werden - aber im Gegensatz zu seiner Kollegin traf er zumindest ab und zu den richtigen Ton. Das machte sein Liedchen "Wunderschönes fremdes Mädchen" im Vergleich zu Marikas "Cowboy" - Song zu einer wahren Wohltat. Der Erfolg blieb auch in diesem Fall nicht aus: Der Titel stieß vor bis auf Platz 3 der BRD-Charts, in Österreich landete Hans Jürgen zudem noch mit der B-Seite einen ausgemachten Hit: Bei "Eine Träne unter tausend" handelte es sich um die Eindeutschung von Bobby Solos damaligem italienischen Nr.1-Hit "Una lacrima sul viso"' und Italiens Top-Hits erfreuen sich dank der geographischen Nähe und der fließenden Sprachgrenze in der Alpenrepublik seit eh und je weit größerer Popularität als in Deutschland. Und noch ein weiteres hatte Hans Jürgen seiner Sanges- und Sports-Kollegin voraus: Während Marika fast ausschließlich das reifere Publikum für sich begeistern konnte, avancierte Hans Jürgen zu einem außerordentlich umschwärmten Teenager-Idol.

In der von den BRAVO-Leserinnen und -Lesern erstellten "BRAVO-Musikbox" konnte sich die Platte bis Platz 1 vorarbeiten. BRAVO trug der Begeisterung seiner Leser und vermutlich vor allem Leserinnen Rechnung, widmete ihrem Star zahlreiche Titel, eine mehrteilige Lebensstory und unzählige Poster und Doppelposter. Lediglich die Weihen eines BRAVO - Starschnittes blieben ihm versagt, aber der war seinerzeit Winnetou, Old Shatterhand und Winnetous Schwesterherz Nscho Tsch vorbehalten. "Wenn die Cowboys träumen", "Wunderschönes fremdes Mädchen" - die CBS setzte nach eines drauf und präsentierte die unvermeidliche Duett-Platte: "Honeymoon in St. Tropez", ein garantiert unverderbtes, schrecklich braves Liedchen, dessen Textzeilen an Sauberkeit und Öde kaum noch zu überbieten sein dürfte:

... und sich in die Augen sehn,
das wär schön,
wunderschön
und sich in die Augen sehn'
das wär' wunderschön..".

Die Fans indessen waren erneut begeistert: Auch dieser Titel stieß vor bis Platz 2 und hielt sich 17 lange Wochen in den Charts. In der Folgezeit jedoch gelang nur Hans Jürgen noch ein ausgemachter Treffer: Das sentimentale "Sorry little Baby", für mich sein hübschester Titel, konnte sich bis auf den siebten Platz vorarbeiten. Alle anderen Platten der beiden erreichten nur noch Plazierungen im Mittelfeld: Marika ersang sich mit "Ich bin kein Eskimo" Platz 23, mit "Kavalier Kavalier" Platz 18 und mit "Erst kam ein verliebter Blick" Platz 26, Hans Jürgen landete mit "Aber mein Herz ist allein" auf Platz 16, mit "Einmal gibt's ein Wiedersehn" auf Platz 19 und mit "Du bist mein Talisman" auf Platz 29. Ihre 1965 zweite gemeinsam gesungene Platte "Wenn junge Leute bummeln gehn" kam bereits zu spät: Die Fans hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon sattgehört an Kilius und Bäumler.

Auf Plattenbörsen gehören all diese Scheiben zum gängigen Angebot, sie kosten jeweils etwa 10 DM. Ihre beiden LPs - der Film-Soundtrack "Die Große Kür" und Bäumlers von der Frauenzeitschrift "Constanze" gesponserte 30cm-Scheibe - sind, wie fast alle Langspielplatten der frühen 60er, nur schwer und wenn, dann nur zu Liebhaberpreisen aufzutreiben. Der interessierte Fan stößt mit etwas Glück allenfalls auf einen später zusammengestellten "Best of" Sampler.

Mit einem wahren Bonbon in Sachen Kilius & Bäumler wartet auch dieses Mal wieder die auf Wiederveröffentlichungen spezialisierte Plattenfirma Bear Family auf: Der liebevoll zusammengestellte und schick-nostalgisch aufgemachte Silberling "Honeymoon in St. Tropez" (BCD 15S89 AH) vereinigt sämtliche auf Single und auf LP erschienenen Aufnahmen der beiden in zeitlicher Abfolge, angefangen mit Marikas "Cowboys" bis hin zu Hans Jürgens (vorerst) letzter, 1967 eingespielter Single "Sie weint nur um dich" (eine Platte, die ich persönlich weniger ihrer musikalischen Originalität wegen schätze als vielmehr wegen des außerordentlich hübschen Cover-Fotos des Interpreten: Diese traurigen Kulleraugen mmmmhhhh!!!). - Ich empfehle die CD wärmstens - aus zwei Gründen: Zum einen garantieren die Schlager "Wunderschönes fremdes Mädchen", "Honeymoon in St. Tropez", "Wenn die Cowboys träumen" und "Sorry little baby" auch dem Hörer, der sich wie ich nicht unbedingt zu den Fans der beiden Barden zählte, nostalgische Erlebnisse der Meisterklasse: War es doch schier unmöglich, ihnen zu entrinnen - ob in der Musikbox in der Eisdiele oder auf dem Jahrmarkt während der Fahrt auf der Achterbahn: Marika und Hans Jürgen waren einfach unumgänglich. Und zum anderen: Wenn Sie neben diesen vier Hits auch noch die restlichen 27 (!) Titel der CD über sich haben ergehen lassen, dann genießen auch Sie garantiert dieses befreiende Gefühl, das immer dann auftritt, wenn der Schmerz nach läßt .
 


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