
(Barbro Svensson)
*
am 9.3.1938
in
Jarvso/Nordschweden.
Die
gar nicht kühle Blonde Lil(l) Babs
Von
Walter Hilbrecht
Was macht eine junge Schwedin, die in ihrem Heimatland zur beliebtesten Schlagersängerin gewählt worden ist und sich dort bereits eine Goldene Schallplatte ersungen hat? Ganz klar, sie sucht nach neuen Herausforderungen.
Und was macht sie, wenn dann ein Musikmanager aus Deutschland auftaucht, der ihr zu einem Karrierestart in der Bundesrepublik verhelfen will? Ganz klar, sie sagt: "Warum nicht?!"
Und so erschien im Sommer 1961 die erste deutsche Single von Lill Babs. Der Titel hieß "Wo finde ich den Mann" und stammte aus der Feder des renommierten Autorengespannes Werner Scharfenberger und Fini Busch. Mit diesem Lied war Lill Babs sowohl im Fernsehen ("Zu jung um blond zu sein") als auch auf der Kinoleinwand ("Isola Bella") präsent. Somit wurde sie fast über Nacht zu einem festen Begriff bei den deutschen Schlagerfans.
Lill
Babs, die eigentlich Barbro Svensson heißt, kam am 9.3.1938 in Jarvso/Nordschweden
zur Welt. Daß sie Sängerin werden wollte, stand für sie
bereits fest, als sie noch zur Schule ging. Kostproben ihres musikalischen
Talents gab sie bei Vereinsfeiern und Tanzfesten. Mit 15 Jahren hatte sie
ihr Debüt im Schwedischen Rundfunk. Zwei Jahre später wurde sie
von der bekannten Kapelle Brehm engagiert und wechselte ins Profilager.
Bühnenauftritte und Schallplatten machten sie im ganzen Land bekannt
und bald galt sie als populärster Teenagerstar Schwedens.
Stefan von Baranski, der bereits erwähnte Musikmanager aus Deutschland, hörte während eines Skandinavienaufenthaltes Aufnahmen von Lill Babs im Autoradio. Allein von ihrer Stimme war er so beeindruckt, daß er schließlich nach Stockholm reiste, um die Interpretin persönlich kennenzulernen. Als er sie hier bei einem Live-Auftritt erlebte, stand für ihn fest: Dieses Mädchen hole ich nach Deutschland.
Lill
war nicht abgeneigt, gehörte doch der deutsche Musikmarkt schon damals
zu den wichtigsten in Europa. Doch zunächst kam eine andere bedeutende
Aufgabe auf sie zu. Sie war ausgewählt worden, ihr Heimatland 1961
beim "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson" zu vertreten. Die Hoffnung
auf internationalen Ruhm erfüllte sich jedoch nicht, denn mit ihrem
Titel "April, April" landete sie unter ferner liefen. Inzwischen hatte
aber Stefan von Baranski seine Beziehungen spielen lassen. Es gelang ihm,
den bekannten Produzenten Gerhard Mendelson von den Qualitäten der
jungen Schwedin, die mittlerweile eifrig deutsche Vokabeln lernte, zu überzeugen.
Einen Fürsprecher hatte er dabei in Peter Kraus, damals Mendelsons
bestes Pferd im Stall. Dieser hatte nämlich ein Foto von der überaus
attraktiven Nordländerin gesehen und war hin- und hergerissen.
"Das ist die Frau meines Lebens!" Diesen Gedanken hatte Peter Kraus bei ihrer ersten Begegnung. So jedenfalls beschreibt er es in seiner Biografie "Mein verrocktes Leben". Ihm wiederum gelang es auf Anhieb, die graugrünen Augen von Lill Babs zum Strahlen und ihre nordische Kühle zum Schmelzen zu bringen. Der Beginn einer Romanze, die allerdings auf Anraten der Plattenfirma nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden durfte.
Lill
Babs hatte nach dem gelungenen Start noch im selben Jahr eine weitere Single
veröffentlicht, die den Titel "Amore, Amore, Amore" trug und somit
in vollem Einklang zu ihrer momentanen Gefühlsverfassung stand. Sie
sang dieses Lied u.a. in dem Film "Im schwarzen Rössl" und legte dabei
gemeinsam mit Peter Kraus einen temperamentvollen Cha-Cha-Cha auf das Parkett.
Wer damals ganz genau hinsah und die Blicke bemerkte, die die beiden dabei
tauschten, dem konnte nicht verborgen bleiben, daß hier mehr als
nur Sympathie unter Kollegen im Spiel war.
Mittlerweile war Lill im deutschsprachigen Raum so gefragt, daß sie kaum noch Zeit für ihre skandinavischen Fans fand. Ihre dritte Single "Yes Mr. Superman" kam Anfang 1962 auf den Markt. Es stellte sich je doch heraus, daß die Rückseite "Aber du" - wieder ein Titel von Scharfenberger/Busch - mehr Anklang bei den Schlagerhörern fand und der Interpretin diverse Hitparadennotierungen einbrachte.
Auch
im Deutschen Fernsehen hatte Lill Babs Hochkonjunktur. Von "Lieben Sie
Show?" bis "Hotel Victoria" war sie in allen wichtigen Unterhaltungssendungen
dabei, denn die TV-Bosse hatten schnell erkannt, daß sie es mit einer
Vollblutkünstlerin zu tun hatten. Gesang, Tanz, Parodie - Lill beherrschte
alles perfekt. Und so bekam sie sogar eine eigene 30-Minuten-Show mit dem
Titel "Skandinavienimport", in der sie ihr Können unter Beweis stellen
durfte.
Nach einer Duett-Single mit Ted Herold nahm sie auch gemeinsam mit Peter Kraus Platten auf. Die beiden waren nach wie vor ein Paar und standen im Sommer 1962 für den Film "Das haben die Mädchen gern" vor der Kamera, in dem Lill nicht nur als Sängerin auftrat, sondern auch in einer Nebenrolle zu sehen war.
Mehr als eine Nebenrolle spielte sie allerdings im Showgeschäft. Nach einer umjubelten Tournee mit Max Greger holte Hazy Osterwald sie zu einem Gastspiel in die Schweiz, dem aufgrund des großen Erfolges weitere gemeinsame Auftritte folgten.
Lill
Babs hatte es also geschafft. Es war ihr innerhalb kurzer Zeit gelungen,
in der deutschen Schlagerszene Fuß zu fassen. Etwas kompliziert war
es allerdings mit ihrem Image. Einerseits galt sie als der nette, kumpelhafte
Girlie-Typ, zum anderen besaß sie aber eine ganz besondere Ausstrahlung,
die einen gewissen Kontrast dazu bildete. In der Presse war beispielsweise
immer wieder die Rede von "erotischem Zündstoff". Ein Journalist schrieb:
"Sie singt so aufregend wie sie aussieht", ein anderer schwärmte von
der "Sängerin mit Sexappeal". Findige Reporter hatten inzwischen auch
ihre Affäre mit Peter Kraus aufgedeckt, was den Gazetten damals eine
Menge Stoff für alle möglichen Spekulationen lieferte. Meldungen
über eine heimliche Heirat gehörten ebenso dazu wie Gerüchte
über Eifersüchteleien und Kräche (die es übrigens tatsächlich
gab). Über diese Art von Publicity nicht sonderlich erfreut, kümmerte
sich Lill Babs nun wieder etwas mehr um ihre Karriere in Skandinavien.
Zwar kamen in Deutschland regelmäßig neue Singles von ihr heraus,
doch sie waren keine großen Erfolge. Man ließ sie hierzulande
überwiegend harmlose Liedchen mit unbedarften Texten trällern,
obwohl man sie damit unter Wert verkaufte, denn ihr Können und ihr
Talent gingen weit über den üblichen Schlager-Standard hinaus.
1964 nahm sie mit "Wow Wow Wee" einen Hit der Angels in Deutsch auf und
konnte damit noch einmal auf sich aufmerksam machen. Doch zu diesem Zeitpunkt
lagen ihr vielversprechende Angebote aus Amerika vor und ein Auftritt im
Pariser Olympia stand ebenfalls auf dem Programm, so daß sie ihre
deutschen Fans zwangsläufig etwas vernachlässigte. Anfang 1965
war sie zusammen mit Peter Kraus Titelbild von BRAVO. In der Beziehung
der beiden kriselte es damals allerdings schon ganz gewaltig. Während
Lill Heiratspläne hegte, war Peter wenig daran interessiert, sein
Junggesellendasein aufzugeben. In der großen Unterhaltungsshow "Das
Studium der Weiber ist schwer" waren sie - ebenfalls 1965 - noch einmal
gemeinsam auf dem Bildschirm zu sehen. Anschließend trennten sie
sich. Um Abstand zu gewinnen, machte sich Lill Babs rar in Deutschland.
Es wurden noch zwei Singles produziert und hin und wieder sah man sie in
einer Fernsehsendung. Danach war erst einmal Schluß. Obwohl Lill
Babs hierzulande mit keiner ihrer Platten in die offiziellen Verkaufscharts
kam, landete sie bei der Otto-Wahl von BRAVO dreimal hintereinander unter
den zehn beliebtesten Sängerinnen: 1962 auf Platz 7, 1963 auf Platz
9 und 1964 auf Rang 8. Vielleicht nur ein weiterer Beleg dafür, daß
die damaligen Bestsellerlisten nicht immer so ganz verläßlich
waren. 1973 präsentierte das ZDF unter dem Titel "Tak heißt
Dankeschön" eine musikalische Show, in der nur Sängerinnen aus
Schweden mitwirkten. Neben Bibi Johns, Nina Lizell und Sylvia Vrethammar
war auch Lill Babs dabei, die in ihrer Heimat nach wie vor gut im Geschäft
war.
Drei
Jahre später versuchte sie ein Comeback in Deutschland. Mit der LP
"Willkommen auf Erden" legte sie ein Album vor, das überwiegend deutsche
Coverversionen internationaler Popsongs enthielt. Lieder, die ihrem Alter
- immerhin war sie inzwischen Mitte Dreißig - entsprachen und nicht
mit den meist anspruchslosen Aufnahmen ihrer Schlagerzeit zu vergleichen
waren. Für den Titelsong, der auch als Single ausgekoppelt wurde,
zeichnete ein sehr prominentes Autorenteam verantwortlich: Die ABBA-Musiker
Björn und Benny hatten ihr dieses Lied maßgeschneidert. In Schweden
war es ein großer Erfolg, doch hier bei uns konnte sich der Titel
nicht durchsetzen. Selbst ein Auftritt in der Sendung "Musik aus Studio
B" trug nicht dazu bei, auch nur annähernd befriedigende Plattenumsätze
zu erzielen. Lill Babs nahm es gelassen. Immerhin zählte sie in Skandinavien
zu den populärsten Stars und hatte sich dort zu einer gefragten Entertainerin
entwickelt. Dem Showgeschäft ist sie bis heute treu geblieben. 1995
stand sie zusammen mit ihrer Landsmännin Siw Malmkvist und der Norwegerin
Wencke Myhre im Rampenlicht des Stockholmer Theaters. Die drei feierten
gemeinsam ihr jeweils 40-jähriges Bühnenjubiläum und wurden
vom schwedischen Publikum begeistert gefeiert.
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| A)
Blue Boy
Werbe - Flexidisc 33 UPM (1962) |
mit
Ted Herold
A) Wir jungen Leute Werbe Flexidisc 45 UPM (1962) |
A)
Glaub' an mich
B) Daß ich dich liebe (weiß die ganze Stadt) Polydor 52 044 (1963) |
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| A)
Hopsassa (Letkiss)
B) Wer hat meinen Jo gesehen? Polydor 52 467 (1965) |
A)
Andere sind genauso lieb wie du
(La Plus Belle Pour Aller Danser) B) Weekend und Sonne (Härliga Söndag) Polydor 52 730 (1966) |
A)
Willkommen auf Erden
(Välkommen till världen) B) Schlaf ein mein Kind (Tyck om nin ton) Prom 6.11941 (1976) |
Lil(l) Babs Discographie
Zusammengestellt von Walter Hilbrecht und
Manfred Günther
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(1961) | Wo finde ich den Mann
Heut Nacht im Mondenschein (Tonight My Love Tonight) |
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(1961) | Amore Amore Amore Goodbye
Cowboy |
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(1962) | Yes Mister Supermann
Aber du |
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(1962) | Heja heja ein Sombrero
Blue Boy |
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(1962) | Das macht die Liebe
Weil es so schön ist bei dir (mit Peter Kraus als "Lil & Peter") |
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(1962) | Wir jungen Leute
Tschau, tschau auf Wiedersehn (im Duett mit Ted Herold) |
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(1962) | Holl-Dolly-Day
Das weiß sogar der kleinste Spatz |
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(1963) | Glaub' an mich
Daß ich dich liebe, weiß die ganze Stadt |
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(1963) | Baby, laß deine Sorgen
Sorgen sein
Kleines Schiff auf großer Reise |
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(1963) | Noch einmal und noch einmal
Belle Mademoiselle |
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(1964) | Mein Liebling ist mir treu
Sonne, Pizza und Amore (mit Peter Kraus als "Lil & Peter") |
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(1964) | Wow Wow Wee
(He's The Boy For Me) Hand aufs Herz, Mon Ami |
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(1965) | So sind alle Männer
(It's My Party) Doch dann kam Rosamaria (You Gave My Number To Billy) |
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(1965) | Hopsassa
Wer hat meinen Jo gesehen |
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(1966) | Andere sind genauso lieb wie
du
(La Plus Belle Pour Aller Danser) Weekend und Sonne (Härliga Söndag) |
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(1976) | Willkommen auf Erden
Schlaf ein mein Kind |
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Schallfolie (Werbe-Fexi) |
Hansa Hertie KaDeWe Union |
(1962) | Wir junge Leute
(im Duett mit Ted Herold) |
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(Werbe-Fexi) |
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(1962) | Tschau, tschau auf Wiedersehn
(im Duett mit Ted Herold) |
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(Werbe-Fexi) |
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(1962) | Blue Boy |
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(1962) | Für Teenager und Twens
- 1962
Lill Babs: Yes, Mister Superman / Aber du Ted Herold: T-W-I-S-T/ Sie war all' sein Glück (im Bertelsmann Schallplattenring) |
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46 812 (Mono) |
(1962) | Das haben die Mädchen gern
(Original-Filmaufnahmen) Lill Babs: Holl-Dolly-Day |
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46 840 (Mono) 237 340 (Stereo) |
(1964) | Teenager-Party 64
Lill Babs: Wenn ein junger Mann kommt Lill Babs & Peter Kraus: America / Hätt' ich einen Hammer |
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6.22 845 |
(1976) | 1. Willkommen auf Erden
2. Schlaf ein mein Kind 3. Du alter Gauner (Last Time I Saw Him) 4. Nimm den Mund doch nicht so voll (Don 't You Worry About A Thing) 5. Als ginge morgen deine Welt zugrund 6. Ich glaube an die Liebe (I Believe In Music) 7. Du und ich sind auf der Welt (You And Me Against The World) 8. Schön wär's 9. Unsere Sorgen möcht' ich haben (Everybody's Having Problems) 10. Viel Vergnügen, du Halunke (Sing A Little Sunshine Song) 11. Mein kleiner Bach |