
Diese Seite ist Thommi Herrwerth gewidmet.
(Donald
Edgar Backus).
*
12.9.1937 in New York,
studierte vor seiner Einberufung in die US-Air-Force einige Semester Medizin. Gründete während seiner Militärzeit eine Gesangsgruppe "The Del-Vikings"' die bei einer TV- Show den ersten Preis gewann.
Plattenvertrag und erste sensationelle Erfolge mit "Come go with me". Nach Beendigung der Militärzeit in Wiesbaden blieb er in Deutschland.
Bisher
über 50 Platten und Mitwirkung in mehr als 10 Filmen. Moderator der
TV-Sendung "Party-Geschichten". Weitere erfolgreiche Titel: "Sauerkrautpolka",
"No Bier" und "Bohnen in die Ohr'n". Produzent: Gerhard Mendelson.
Er
war schon im heimatlichen USA mit seiner Band "The Del Vikings" ein aufgehender
Star, als das Militär ihn in den Griff bekam und den frischgebackenen
GI 1957 in Deutschland stationierte.
Der
quicklebendige Gus jedoch, mit dem Witz und der Beweglichkeit des New Yorkers
aus Brooklyn wohlversehen, beschloss, dann eben hier weiterzumachen.
Was er auch tat: Nach Leitung einer Soldatenband betrat er die "zivilen"
Bühnen seiner neuen Wahlheimat Deutschland und alsbald erwiesen sich
seine Songs als echte "Ohrwürmer" ("Da sprach der alte Häuptling
der Indianer", "Der Mann im Mond", "Sauerkrautpolka" und "Bohnen in den
Ohren").
Heute hat Gus Backus über so Platten gemacht, in vielen Filmen mitgespielt, Schlagertexte und Filmmusik geschrieben, TV-Sendungen geleitet, wie er überhaupt ein gern gesehener Gast auf dem Bildschirm ist.
Der Künstler lebt bei München und ist verheiratet (vier Kinder), und dass er außerdem das bayerische Bier liebt und kein Oktoberfest versäumt, macht ihn nur sympathischer.
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| A)
My Chick Is Fine
B) You Can't Go It Alone London DL 20 425 (1961) |
A)
Wooden Heart
(Muß i denn zum Städtele hinaus) B) Da sprach der alte Häupling Polydor 24 403 (1961) |
A)
Auf Wiedersehen
B) Tempo Brasiliano Polydor 24 484 (1961) |
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| A)
Der Mann im Mond
(a.d. Constantin-Farbfilm "Im schwarzen Rössl") B) Was ist los (a. d. Astra-DFG-Film "Drei weiße Birken") Polydor 24 564 (1961) |
A)
Sauerkraut-Polka
a.d. DFG-Farbfilm "Unsere tollen Tanten") B) Alle Schotten sparen Polydor 24 642 (1961) |
A)
No Bier, no Wein, no Schnaps
B) Die allerschönste Rose Polydor 24 740 (1962) |
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| A)
Das Lied vom Angeln
(Mit dir möchte ich am Sonntag angeln geh'n a.d.gleichn. Film) B) Linda (Ein Haus in den Rockys) a.d. Bavaria-Film "Drei Liebesbriefe aus Tirol" Polydor 24 854 (1962) |
A)
Linda (Ein Haus in den Rockys)
a.d. Bavaria-Film "Drei Liebesbriefe aus Tirol" B) Das Lied vom Angeln (Mit dir möchte ich am Sonntag angeln geh'n a.d.gleichn. Film) Polydor 24 854 (1962) |
A)
Linda (Ein Haus in den Rockys)
B) Das Lied vom Angeln C) Holzhackertwist D) Vaya Con Dios Polydor 21 474 EPH (1962) |
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| A)
Das kleine Wunder vom großen Glück
(a.d. Constantin-Film "Das haben die Mädchen gern") B) Bißchen denken beim Schenken (Weißer Mann - schwarzer Mann) Polydor 24 926 (1962) |
A)
Das haben die Mädchen gern
B) Hände weg von den Frau'n (mit Peter Kraus) Polydor 24 929 (1962) |
A)
Mein Schimmel wartet im Himmel
(a.d. Film "Übermut im Salzkammergut") B) Regen, Regen (a.d. Amicus-Columbia-Film "Just For Fun") Polydor 52 063 (1963) |
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| A)
Wenn doch jede Woche mal der Erste wär'
B) Caroline Polydor 52 162 (1964) |
A)
Rote Lippen soll man küssen
(Lucky Lips) B) Seit wir uns lieben (gefällt mir das Leben) (Tips Of My Fingers) Polydor 52 205 (1964) |
A)
Marilyn
B) Ach, wär ich doch Old Shatterhand Polydor 52 295 (1964) |
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| A)
Holiday in St.Tropez
B) 22 Beine und die zwei von meiner Braut Polydor 52 368 (1964) |
A)
Schatzi, hast du mich vergessen
B) Das ist very good Polydor 52 413 (1965) |
A)
Hinter unsrem Haus
(Out Behind The Barn) B) Wenn dir Rocky rote Rosen schenkt Polydor 52 482 (1965) |
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| A)
Denk nicht immer gleich an morgen
B) Open The Window - Ich will fensterln Polydor 52 536 (1965) |
A)
Bohnen in die Ohren
B) Hallo Pussy Cat (What's New Pussycat) Polydor 52 588 (1966) |
und
Suse Feldt
A) Die Prärie ist so gross B) Suse Feldt: Schön, schön Polydor 52 623 (1966) |
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| A)
Ei, du schöne Schnitzelbank
B) Goldlamé-Bikini Polydor 52 698 (1966) |
A)
Memories Of Heidelberg
B) Niemand weiß, was morgen kann geschehn (Than I Guess To Do Without) Polydor 52 813 (1967) |
A)
Ein Koffer voller Souvenirs aus Germany
B) Meine Gitarre Polydor 52 864 (1967) |
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| A)
I Hear The Drums
B) Nix zu machen Fräulein? Polydor 53 005 (1968) |
A)
Lieber Maler male mir
(Deutsche Schlager-Festspiele 1968) B) Dr. Simon sagt Polydor 53 057 (1968) |
A)
Der Kanal von Panama
B) Mir kann keiner helfen Polydor 53 067 (1968) |
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| A)
Little Street In Rüdesheim
B) Ein Indianer kennt keinen Schmerz Polydor 53 109 (1968) |
A)
Taxi
B) Pizza d'Amore Polydor 2041 043 (1970) |
A)
Lonely Lady
B) When The Shit Hit The Fan Koch Records International AS 145.347 (1990) |
Anfang der 60er Jahre, da war der
Donnerstag für mich der wichtigste Tag in der Woche: Abends um acht
sendete der Hessische Rundfunk die Frankfurter Schlagerbörse. Als
ich sie das erste Mal hörte, war Gus Backus gerade mit "Da sprach
der alte Häuptling der Indianer" auf Platz 1, für mich das umwerfendste
Lied, das ich je gehört hatte. Ich erstand drei Postkarten, um bei
der Auswertung gleich mit drei Stimmen dabei sein zu können. Und tatsächlich:
Meine Investition hatte sich gelohnt. Über viele Monate hinweg landete
Gus immer und immer wieder auf Platz 1.
Was
ich damals nicht wusste: Meine Lieblingsradiosendung am Donnerstag
war Gus Backus' Sprungbrett zu seiner Karriere in good old Germany: Gus
Backus war 1959 als GI nach Deutschland gekommen. Zuvor hatte er es in
den Staaten als Leadsänger der Gruppe The Del Vikings mit dem Titel
"Come, go with me" schon einmal bis Platz 4 der US-Charts gebracht. Während
seiner Army-Zeit geriet er drüben in Vergessenheit und so versuchte
er, hier bei uns musikalisch Fuß zu fassen. Er deutschte Hits von
Paul Anka und anderen amerikanischen Teenie-Stars ein und hatte zunächst
mit seinen von Kritikern stets mit viel Lob bedachten Platten Null Erfolg.
Das
änderte sich 1960: Mit der deutschen Version des Nr.1 -Songs "Running
Bear" konnte Gus einen ersten Achtungserfolg verbuchen: Der Indianer-Song
"Brauner Bär und weiße Taube" stieß in der deutschen Hitparade
immerhin bis auf Platz 16 vor. Ende des Jahres er schien von ihm dann eine
neue Single, eine Aufnahme des alten deutschen Volksliedes "Muss i
denn zum Städtele hinaus", das Elvis Presley seinerzeit ausgegraben
hatte, um als "Wooden Heart" damit in Deutschland einen Hit zu landen.
Elvis sang den Titel in englisch, lediglich zwei Zeilen steuerte er in
deutsch bei. Gus zog mit einer überwiegend in deutsch gesungenen Version
nach, wurde damit aber nur mäßig beachtet. Doch glücklicherweise
hatte auch diese Platte eine B-Seite: Hier knüpfte Gus an den Erfolg
von "Brauner Bär" an: "Da sprach der alte Häuptling" war ein
flottes Liedchen mit viel Indianergeheule, einer witzigen Story und einem
schmissigen Rhythmus. Daß daraus ein Hit werden könnte, daran
schien allerdings zunächst kaum ein Mensch zu glauben. Doch Hanns
Verres, Chef der Frankfurter Schlagerbörse, bewies, als er den "alten
Häuptling" in seine Sendung setzte, daß er einen guten Riecher
hatte. Einmal in Gang gekommen, lief die Platte und lief und lief.
Nach
zwei nicht ganz so erfolgreichen Platten ("Tempo Brasiliano" und "I bin
a stiller Zecher") folgte einige Monate darauf der zweite ganz große
Gus Backus-Hit: "Der Mann im Mond" war ein originell und witzig gemachter
Song, der dem Zeitgeist des Jahres 1961, als der erste Mensch im Weltall
schwebte, so richtig schön aufs Maul schaute. Über Wochen führte
dieser Titel alle Bestsellerlisten an, und Gus Backus gehörte, mit
zwei Superhits in einem Jahr, von da an zu den ganz großen Topstars
der Schlagerbranche.
In
den Folgejahren 1962 und 1963 war er aus den deutschen Hitparaden nicht
mehr wegzudenken: Die "Sauerkrautpolka" (beste Plazierung: Platz 2), "No
Bier, no Wein, no Schnaps" (Platz 7), "Linda" und "Das Lied vom Angeln"
(Platz 4), "Das kleine Wunder vom großen Glück" und "Ein bißchen
Denken beim Schenken" (Platz 19), "Der Mondschein an der Donau" (Platz
8) und "Mein Schimmel wartet im Himmel" (Platz 12).
Dann allerdings machte die britische
Konkurrenz von Cliff Richard, den Beatles und den Rolling Stones
den
deutschsprachigen Schlagerlieferanten mehr und mehr zu schaffen und auch
für Gus ging es ähnlich wie für viele Stars der vergangenen
Jahre sehr schnell bergab: Mit dem textlich und musikalisch nicht unbedingt
Backus-liken, aber äußerst gelungenen Country-Song "Goodbye
Baby" landete er zwar zunächst noch einmal einen Achtungserfolg (höchste
Plazierung: Platz 24). Seine Plattenfirma "Polydor" leistete sich dann
jedoch einen Schnitzer, der, wie sich herausstellen sollte, nicht wieder
wett zu machen war. Als die Konkurrenz von Electrola/Columbia mit dem von
Cliff Richard interpretierten Titel "Rote Lippen soll man küssen"
einen Nr.1-Hit landete, da schickte sie mit etlichen Wochen Verspätung
eine Backus-Aufnahme hinterher, die dem Original Ton für Ton täuschend
echt nachempfunden war. Ein Publikumsliebling wie Gus als Cliff Richard-Verschnitt
- das konnte nicht gutgehen und es kam auch prompt, wie es kommen musste:
"Rote Lippen soll man küssen" wurde zum größten Flop von
Gus' Sangeslaufbahn, und er vermochte sich in der Folgezeit nicht wieder
von diesem Misserfolg zu erholen.
Die
Folgeplatte "Wenn nur jede Woche mal der erste wär" erfreute sich
zwar noch relativ großer Popularität, danach hatte Gus nur im
musikalisch seit eh und je konservativeren Österreich noch einmal
einen Bestseller mit "Ach, wär ich doch Old Shatterhand". Aber die
Zeiten und mit ihnen der Geschmack des Publikums hatten sich geändert.
Gus machte Jahre später lediglich noch einmal mit dem Karnevalsschlager
"Bohnen in die Ohr'n" von sich reden.
Gus'
Schallplatten aus jener Zeit sind heute begehrte Objekte für Sammler.
Seine großen Hits, damals in sehr hoher Stückzahl unters Volk
gebracht, sind auf Flohmärkten oder Schallplattenbörsen für
jeweils ca. 10 DM (einschließlich Hülle) erhältlich. Sehr
viel schwieriger hingegen gestaltet sich die Suche nach Titeln, die er
vor 1961, also vor seinem großen Durchbruch, oder nach 1963, als
sein Stern bereits deutlich im Sinken begriffen war, aufnahm. Solche Scheiben
sind unter 25 DM nicht zu haben, selbst 50 bis 60 DM sind keine Seltenheit.
Ähnlich steht
es um LPs, unter 100 DM werden Originalpressungen kaum
angeboten. Fast völlig unmöglich ist es indessen, an Aufnahmen
von Gus' Gruppe Del Vikings zu geraten. Trotz intensiver Suche gelang es
mir im Laufe der Jahre, lediglich eine Neuveröffentlichung aus den
80er Jahren zu ergattern. Mehr Glück hatte ich bei meiner Suche nach
Gus' einziger in französisch gesungenen EP: Die Titel "Delia", "Si
la-bas tu'm attends", "Les sabots du bois" und "Lenora" sind vermutlich
so ziemlich das Schauderhafteste, das mein Jugendidol je auf Platte veröffentlichte.
Sein amerikanisch eingefärbtes Französisch muß eine Beleidigung
für jeden Franzosen gewesen sein und es wundert mich nicht im geringsten,
daß sie offentsichtlich kein Mensch kaufte. Mich als Sammler kommen solche
Flops leider Gottes heute teuer zu stehen: Bei einer Auktion zahlte ich sage und
schreibe 300 DM!

Wer
allerdings keinen wert auf die Originalveröffentlichungen legt und
sich mit Neuveröffentlichungen auf CD zufrieden gibt, der ist seit
kurzem mit drei Silberlingen der Firma Bear-Family allerbestens bedient:
"Die Singles 1959-61" (BCD 15482) enthält sämtliche A- und B-Seiten
von Gus deutschsprachigen Singles und EPs aus jener Zeitspanne, angefangen
von seiner ersten Platte "Ab und zu" bis hin zum "Mann im Mond", das heißt:
Sie bekommen hier vor allem Titel geboten, die seinerzeit weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit erschienen und somit als absolute
Rarität bezeichnet werden können. CD Nr.2, "Die Singles 1961-64"
(BCD 15873) setzt die Anthologie fort, enthält also vor allem die
klassischen Backus-Hits, wartet allerdings ebenfalls mit einer Reihe von
Raritäten auf: Neben bisher unveröffentlichten Titeln finden
sich hier unter anderem auch zwei Songs, die Gus 1961
unter dem Pseudonym
"Die Ramonas" mit sich selbst im Duett aufnahm - zwei entsetzliche Schmachtfetzen,
aber für den interessierten Hörer ein echtes Bonbon. Bleibt zu
hoffen, daß Bear-Family irgendwann auch noch die letzten Jahre von
Gus Jahren in Deutschland dokumentieren wird. Titel
der Del Vikings wurden leider bis heute noch nicht auf CD wieder zugänglich
gemacht. Statt dessen wartet Bear-Family mit einem Sampler auf, der englischsprachige
Gus Backus-Solo-Aufnahmen, überwiegend aus den 60er Jahren, bietet
(BCD 15769): Es handelt sich hier um meist vergebliche Versuche, mit BRD
Charts-erprobten Titeln auf dem internationalen Markt Aufmerksamkeit zu
erwecken, oder um Stücke, mit denen er in Japan Anerkennungserfolge
einheimste. Dies ist eher eine Scheibe für ganz hartnäckige Fans.
Und was macht Gus heute? Er hält
sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, ist Großvater und lebt
zusammen mit seiner Frau in den Staaten in einem Homemobil. Sein Deutsch
ist so herrlich amerikanisch-bayerisch wie eh und jeh. Und manchmal singt
er gemeinsam mit seinen Enkelkindern zur Gitarre: "Da sprach der alte
Häuptling der Indianer / Wild ist der Westen, schwer ist der
Beruf...".
Regelmäßige Leser der Musikbox (die Plattenecke in der Monats-Zeitschrift "Trödler und sammeln) wissen es längst: Gus Backus war in frühen Jugendjahren für mich das Idol schlechthin. Im "Trödler" vom September 1996 war ausführlich von seinen Single-Schallplatten die Rede. (Artikel oben) Heute nun sind seine Langspielplatten an der Reihe. Die in den frühen Sechzigern mit 22 DM (heute umgerechnet mehr als 50 DM) noch außerordentlich teuren "Dreiunddreißiger"-Scheiben wandten sich zunächst weniger an junge Leute als an reifere, bereits im Berufsleben stehende Käuferschichten.
Dementsprechend bestand das Angebot
anfänglich vor allem aus Mitschnitten von Musicals wie "My fair
Lady",
volkstümlichen Melodien von Ernst Mosch und seinen Original Egerländern,
Sprechplatten wie die "Stegreifgeschichten" Jürgen von Mangers oder
Tanzschallplatten für die reifere Generation wie "In der Bar nebenan"
von Fritz Schulz Reichel. Die Favoriten der jungen Hörer hingegen
durften nur in ganz seltenen Fällen eine "eigene" LP veröffentlichen.
Einzige Ausnahme war die Polydor-Serie "Die großen Erfolge". In dieser
Serie wurden nach und nach die größten Hits von Bill Ramsey,
Connie Francis, Peter Kraus und all den anderen Schlager-Heroen der späten
Fünfziger und frühen Sechziger veröffentlicht. Polydor-Zugpferd
Backus war natürlich auch mit von der Partie: Die 1963 veröffentlichte
LP vereint seine frühen Hits wie "Brauner Bär und weiße
Taube", "Da sprach der alte Häuptling" und "Der Mann im Mond" und
bietet damit noch heute einen brauchbaren Überblick über Gus'
erfolgreichste Titel in Deutschland. (Die abgebildete Hülle mit dem
Zusatz "e seus grandes sucessos" enstammt der brasilianischen Pressung
der Platte).
Gus'
Sangeslaufbahn in Deutschland war nur von kurzer Dauer. Wirklich große
Hits konnte er lediglich zwischen Ende 1950 ("Da sprach der alte Häuptling")
und 1963 ("Der Mondschein an der Donau") verbuchen. Doch seine Popularität
war zu dieser Zeit immerhin so gewaltig, dass Polydor 1962 das Wagnis
einging, von ihm neben der "Grossen Erfolge" noch eine LP mit extra hierfür
aufgenommenen Songs zu veröffentlichen. Auf "Ich hab mein Herz in
Germany verloren" ließ sie Gus altbekannte deutsche Evergreens wie
"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" und "In München steht ein
Hofbräuhaus" in dem ihm eigenen dick aufgetragenen amerikanischen
Akzent singen. Als leidenschaftlicher Anhänger meines Idoles musste
ich diese Platte natürlich mein eigen nennen. Das Cover mit dem rotwein-trinkenden
Gus erhielt einen Ehrenplatz an einer der Wände meines Jugendzimmers.
Allzu oft angehört habe ich mir aber die Scheibe - ehrlich gesagt
- nicht: "Wer soll das bezahlen?" oder "Du, du liegst mir im Herzen" -
all das fand ich irgendwie altmodisch und nichts im Vergleich zu so umwerfenden
Songs wie "Der Mann im Mond" oder "No Bier, no Wein, no Schnaps".
So
wie ich dachten vermutlich viele Backus-Fans: Anders als seine Singles,
die in steter Regelmäßigkeit an die Spitze der Charts vorstießen,
wurde "Ich hab mein Herz in Germany verloren" bereits auf Platz 16 der
LP-Charts gestoppt. 1964 sollte es dennoch eine weitere LP von Gus geben.
Sie entstand in einer Periode des Umbruchs in der deutschen Schlagerlandschaft.
Die Masche der Spaßmacher-Schlager hatte sich reichlich totgelaufen.
Nicht nur Gus Backus, auch andere Protagonisten lustiger Lieder wie Bill
Ramsey oder Ralf Bendix gerieten zunehmend ins Abseits. Da versuchte seine
Plattenfirma, die Popularität ihres vom Karriereknick bedrohten Stars
als Interpret von Country- und Western-Songs zu wahren. Mit Goodbye Baby"
und "Mein Schimmel wartet im Himmel" erblickten damals zwei Singles das
Licht der Welt, die ich noch heute für die gelungensten Titel von
Gus Backus halte.
Und mit "Hillbilly Gasthaus" erschien
die mit Abstand beste LP, die er je aufgenommen hatte. Auf dieser
Scheibe kleidete er vorwiegend alt gediente Standard-Titel in ein neues
Gewand: "On top of old Smokey" alias "Ein Haus in der Sierra", "Home on
the range" alias "Heim will ich gehn" oder "Don't fence me in", ein Bing
Crosby-Hit aus dem Jahr 1944, alias "Oh, Catrin". Die Aufnahmen zu der
Langspielplatte fanden stilgerecht in Nashville statt. Zahlreiche Stars
der US-amerikanischen Country- und Western-Szene waren mit von der Partie:
Grady Martin übernahm die Gitarrenparts, am Piano saß Floyd
Cramer und am Baß stand Bob Moore, den seit seinem Welthit "Mexico"
auch in Deutschland jedes Kind kannte. Polydor versprach sich viel von
dieser Scheibe und veröffentlichte das Album gleichzeitig unter dem
Titel "Hillbilly Inn" in einer englisch gesungenen Fassung. Diese englische
Version wurde mittlerweile zur unter Sammlern begehrtesten Scheibe vom
Gus Backus. Im Gegensatz zu all seinen anderen LPs, die zum Preis von etwa
50 DM gehandelt werden, erzielte "Hillbilly Inn" durchwegs dreistellige
Beträge. Ich selbst würde liebend gerne einen Hunderter für
die Scheibe ausgeben. Doch leider wurde mir "Hillbilly Inn" in den langen
Jahren meiner Sammel-Leidenschaft bislang noch kein einziges Mal angeboten.
Preisgünstiger ist die Wiederveröffentlichung auf CD: Der bei
Bear-Family erschienene Silberling (15765 AH) vereint sämtliche Titel
sowohl der "Hillbilly Gasthaus" - als auch der "Hillbilly Inn"-LP und enthält
somit für schlappe 30 Mark 28 Backus-Songs, die auch heute, nach immerhin
34 Jahren, noch erstaunlich frisch und aktuell klingen. Der CD liegt, wie
bei Bear-Family üblich, ein ausführliches und liebevoll gestaltetes
Booklet bei. Einziger Wermutstropfen: Wieder einmal sind die Original-Hüllen
der beiden Scheiben leider nur klitzeklein abgebildet. Wieso kapieren die
Plattenfirmen denn nicht, welche große Bedeutung die ursprünglichen
Cover für den Sammler haben?
Gus'
Country-Songs wurden seinerzeit selbst von Kritikern, die für Schlagermusik
nichts übrig hatten, einmütig gelobt. Dennoch blieb der kommerzielle
Erfolg aus. 1964 hatte es alles, was nicht nach Beat klang, auf dem deutschen
Plattenmarkt schwer. Im immer mehr um sich greifenden Rummel um die Beatles
und die Stones gingen die zwei LPs leider sang- und klanglos unter. Gus
hatte sich zwischen alle Stühle gesetzt: Den jugendlichen Fans war
es mehr nach "She loves you" und "Satisfaction" zu Mute als nach "Oh Susanna"
und "Heim will ich geh'n". Und das betagte Publikum wollte von ihm lieber
Sachen hören wie die "Sauerkrautpolka" oder "Böhmische Knödel
und scheene Musik". So kam es, daß "Hillbilly Gasthaus" der erste
und zugleich auch letzte Versuch der Polydor blieb, mit ihrem Schützling
Neuland jenseits alter ausgetrampelter Pfade zu betreten.
Stattdessen
setzte sie fortan auf tumbe Bierzelt-Fröhlichkeit und vermarktete
Gus erbarmungslos als "Stimmungskanone". Nie wieder gab es von ihm so schöne
Lieder wie "Goodbye Baby" oder "Mein Schimmel wartet im Himmel". Stattdessen
ließ man ihn Karnevalhymnen wie "Schatzi, hast du mich vergessen?"
oder "Wenn doch jede Woche mal der erste wär", singen. Ähnlich
seine sämtlichen LPs, die er zwischen 1965 und 1969 veröffentlichte.
"Backus in die Ohren" enthielt Altdeutsches wie "Aber dennoch hat sich
Bolle...", "Schön ist ein Zylinderhut" und den Song, mit dem Gus als
einzigen nach 1964 noch einmal einen Hit landete: "Bohnen in die Ohren".
Ähnlich "Ich bin kein stillerZecher" ("28 Lieder zum Schunkeln und
Mitsingen") und - trauriger Höhepunkt - "Frau Wirtin hat auch einen...",
ein Sammelsurium von witzig gemeinten Jux-Versionen damals aktueller Hits
wie "Fremde in der Nacht", das zu "Fremdgeh'n in der Nacht" mutierte.
Gus
Backus, man kann es sich angesichts all der volkstümelnden "Witzichkeit"
kaum noch vorstellen, war eigentlich ein leidenschaftlicher Vollblut-Musiker.
Bevor er als GI nach Deutschland gekommen war, hatte er sich in den Staaten
mit "Come go with me", einem astreinen Rock'n-Roll-Song, bereits eine Goldene
Schallplatte ersungen. Daß ein derartiges Talent von der Plattenindustrie
so verheizt wurde, zeugt eindrucksvoll von der Orientierungslosigkeit,
die in den wilden Jahren des Beats unter Deutschlands Plattenmachern herrschte.
Das zeigt. - ungewollt - auch die
LP, die, beeindruckender als jede andere, Gus' musikalisches Talent beweist:
Auf "Backus auf die Bühne", einem Live-Mitschnitt, ist Gus unter anderem
mit einer fantastisch souligen Version von "Yesterday" zu hören, mit
einer stilechten Interpretation von "Summertime" und vor allem mit einer
mitreißenden Aufnahme des Animals-Klassikers "The house of the rising
sun". Doch zwischen all diesen umwerfenden Songs verlangt ein hirnlos grölendes
Publikum monoton nur nach einem: "Bohnen in die Ohren! Bohnen in die Ohren!"
Meine Leidenschaft für Gus Backus darf mittlerweile wohl als "verjährt" gelten. Doch noch heute finde ich es schade, daß er sich in "good old Germany" so immens unter Wert verkaufte. Er hätte wirklich das Zeug zu sehr viel mehr gehabt.
Thommi Herrwerth
(in der Zeitschrift TRÖDLER & Sammeln.)
Donald
Edgar Backus wurde am 12.9.1937 in New York geboren. Vor seiner Einberufung
zur US-Air-Force studierte er einige Semester Medizin. Während seiner
Militärzeit gründete er die Gruppe "The Del-Vikings", die bei
einer TV-Show den ersten Preis gewann. Daraufhin erhielten sie einen Plattenvertrag
und hatten mit "Come Go With Me" erste internationale Erfolge. Nach Beendigung
seiner Militärzeit in Wiesbaden, blieb er in Deutschland. Bis heute
hat er ca. 50 Platten auf den Markt gebracht und in mehr als 10 Filmen
mitgewirkt. Als Moderator im Fernsehen präsentierte er die Sendung
"Party Geschichten". Seine erfolgreichsten Schlager waren "Sauerkrautpolka"'
"No Bier" und "Bohnen in die Ohr'n".
