DORTHE

(Dorthe Larsen).
* 17.7.1947 in Kopenhagen.

Ausbildung bei ihrem Vater (Kapellmeister des Symphonischen Stadtorchesters Aarhus). Außerdem Unterricht in Tanz und Pantomime.

Erste Schallplatte mit 12. Goldene Schallplatte. Von 1967 bis 1971 verheiratet mit dem Opernsänger René Kollo.

1968 belegte sie den 2. Platz bei den Deutschen Schlagerfestspielen mit "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben". Produzent: Fred Weyrich.
 

Dorthe hatte sich bis vor kurzem vom Showgeschäft zurückgezogen nachdem sie lange einer der besten musikalischen Exportartikel Dänemarks war.

Nach der Heirat mit dem Operntenor René Kollo sang sie weniger, um sich mehr der Familie widmen zu können. Nach ihrer Scheidung von Kollo widmete sie sich wieder verstärkt ihrer Karriere. Mit "Tobago Helloh" gelang ihr 1976 auch wieder ein Hit.

1976 feierte sie ihr 20jähriges Bühnenjubiläum. Bereits in früher Kindheit vom Vater intensiv in Klavier- und Gesangsunterricht, Ballett- und Musicalschulung trainiert, war sie mit 12 Jahren in Dänemark ein Star.

Erfolgreichste Titel: "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" "Der Graf von Luxemburg" ;Ein rosaroter Apfelbaum"
 
 
 
A) Junger Mann mit roten Rosen
(Deutsche Schlager-Festspiele 1964)
B) Der Boy ist gekommen
metronome M 406 (1964)
A) Junge Liebe
B) Rot ist die Liebe
metronome M 420 (1964)
A) Dip-Di-Dip
(Du paßt gut zu mir)
B) Laß doch die alten Geschichten 
Philips 345 812 PF (1965)
A) Blondes Haar am Paletot
B) Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Philips 345 834 PF (1965)
A) Heute hab' ich mein Herz verloren
B) Sowas kann man nicht verbergen 
(Deine Küsse beim Goodbye)
Philips 345 867 PF (1966)
A) Glück und Glas
B) Darauf fall' ich nicht rein
(Come On My Boy)
Philips 345 895 PF (1966)
A) Sein wahres Gesicht
B) Häng nicht alles an die große Glocke
Philips 346 026 PF (1967)
A) Sind sie der Graf von Luxemburg?
B) Was ist bloß mit dem Torero los?
Philips 346 093 PF (1967)
A) Wärst du doch in Düsseldorf geblieben
(Deutscher Schlagerwettbewerb 1968)
B) Ich werde 100 Jahre alt
Philips 384 537 (1968)
A) Jeder Schotte
B) Viele Worte, schöne Worte
Philips 384 558 (1968)
A) Seine Hoheit, der Herr Kronprinz
(Gala-Abend der Schallplatte 1969)
B) Jamaica 1111
Philips 384 587 (1969)
A) Ein rosaroter Apfelbaum
B) Zur Liebe braucht man keinen Grund
Philips 388 431 (1970)
A) Heut' oder nie
B) Es ist alles okay
Philips 6003 167 (1971)
A) Du bringst Sonne in mein Herz
(Love Sweet Love)
B) Lieber heut' als morgen
Philips 6003 229 (1971)

"Er kam auf eine Party mit `ner anderen an - di dip di dididididipdidip. Und er hat mir gefallen wie kein and'rer Mann - di dip di didi didi dip di dip" - so beginnt einer meiner Lieblingsschlager aus dem Jahre 1965. "Erst da fragte er: ,Bitte tanzen wir? / Später sagte er: "Du paßt gut zu mir". Mit meinen 15 Lenzen war ich damals in Sachen Liebe noch gänzlich unerfahren. Aber so, wie es dieses Lied schilderte, haargenau so stellte ich es mir vor, müsse es wohl vor sich gehen, wenn zwei sich ineinander verknallen: "Und als die Party dann zu Ende war - didip di didi didi dip di dip / da brachte er mich heim und das war wunderbar - di dip di didi didi dip di dip..." Verliebte, so mutmaßte ich, können den ganzen Tag über an nichts anderes denken als daran, daß sie verliebt sind: "Tanzen möchte ich den ganzen Tag -di dip di didi didi dip di dip." Singen, daß ich ihn so gerne mag - di dip di didi didi dip di dip..." Und ebenso wie Dorthe, die Sängerin dieses wunderbaren Liedes, würde gewiß auch ich, wenn ich mich eines Tages einmal verlieben würde, vor lauter Glück alle möglichen Verrücktheiten anstellen: "Nun sing ich im Büro und wenn der Chef diktiert: di dip di didi didi dip di dip. / Und schreibe es in alle Briefe ungeniert: di dip di didi didi dip di dip"... Das Lied, das es mir so angetan hatte, war Dorthes bis dahin erfolgreichste Platte in deutscher Sprache.

In ihrer Heimat Dänemark hatte sich das 1947 geborene Schlagermädchen bereits mehrere goldene Schallplatten ersungen, in Deutschland war sie vor allem durch den Song "Junger Mann mit roten Rosen" bekannt geworden - 1964 belegte sie damit bei den "Deutschen Schlagerfestspielen" den vierten Platz. ("Geh nicht in ein and'res Haus / Schenk' doch mir den Blumenstrauß / Denn ich bin ja so allein...") Doch so sehr ich mich auch für ihr "Dip di dip" begeisterte, kaum einer meiner Freunde vermochte meinen Enthusiasmus zu teilen. Auf unseren allsamstäglich zelebrierten Kellerpartys erwies sich der Titel ganz im Gegenteil als ausgemachter Flop. Das war Dorthes Problem: Ihre Schlager paßten ganz einfach nicht in die beatbegeisterten Jahre der MittSechziger. Zu Songs wie "Wooly Bully" oder "Balla balla" ließen sich herrlich verrückte Tanzfiguren kreieren, zu "She loves you" und "Good golly, Miss Molly" wurde geslopt und geshaked, was das Zeug hergab, Ricky Shaynes "Ich sprenge alle Ketten" konnte man so herrlich mitgrölen und "A whiter shade of pale" war als Stehblues unübertrefflich. Zu Songs wie "Dip di dip" hingegen ließ sich allenfalls ein flotter Foxtrott aufs Parkett legen, und so ist es nicht verwunderlich, daß Schlager, wie sie Dorthe servierte, wohl eher bei der gesetzten älteren Generation auf Resonanz stießen. In der BRAVO-Musicbox, damals wie heute zuverlässiger Gradmesser dafür, was unter Teens angesagt ist, spielten Dorthes Schlager nie eine Rolle, die relativ hohen Plazierungen in den Verkaufs-Charts gingen überwiegend auf das Konto von Papa und Mama. Die allerdings fanden an den Liedern großen Gefallen und machten in den Folgejahren zahlreiche Dorthe-Scheiben zu Verkaufsschlagern: das schwungvolle "Blondes Haar am Paletot" - eine weitere Notierung auf dem undankbaren Rang 4 der Deutschen Schlagerfestspiele (1965), die gleichermaßen populäre B-Seite "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" und ein Kuß muß nicht die große Liebe sein") und "Heut hab ich mein Herz verloren" tummelten sich wie "Dip di dip" in den Charts, während ausgerechnet Dorthes einziger, zumindest ansatzweise beat-inspirierter Titel "Darauf fall' ich nicht rein" (1966) floppte.

Es waren zwei Titel, mit denen sich Dorthe 1968 - nach etwa zweijähriger Hitpause - ganz nach oben sang: "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" und "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben". "Oh Pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg? / Oh Pardon, sind Sie der große Mann von Welt?" Dieses Liedchen hatte gewiß eine schmissige Melodie, einen eingängigen Refrain, und die Interpretin trug das Ganze auch recht charmant vor. Aber der Text?... Ich weiß nicht... Schlagertexte beanspruchen bekanntlich nicht, in die Literaturgeschichte eingehen zu wollen. Aber, mit Verlaub, müssen sie deshalb gleich derart an den Haaren herbeigezogen daherkommen wie "So fuhr ich durch die Eifel / in jenes kleine Land / und fragte voller Zweifel / den ersten, den ich fand : "Oh Pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg..." Vielleicht sehe ich es etwas streng, und mit meinen damaligen 16 Lenzen gehörte ich ja auch nicht unbedingt zu der Zielgruppe solcher Lieder. Aber eine Dänin, die in die Benelux-Staaten reist und dort wildfremde Leute auf der Straße anquatscht, ob sie zufällig ein Graf seien? - Wirklich sehr, sehr dämlich. - Das Publikum feilte meine Strenge indessen nicht: "Sind Sie der Graf von Luxemburg" arbeitete sich bis auf Rang 5 der Charts vor und wurde zu Dorthes größtem Hit ihrer Sangeslaufbahn in Deutschland.

Wesentlich origineller fand ich schon damals (und finde auch noch heute) die Folge-Platte "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben", die Story eines großspurigen Playboys, der versucht, einen auf großen Macker zu machen und dabei doch nichts als Spott erntet ("Alles hat er falsch gemacht / und ganz Texas lacht"). Die Schlager - Cowboy - Masche war zwar 1966 schon reichlich überstrapaziert und hatte ihren Höhenflug mit Gittes "Ich will `nen Cowboy als Mann" (1963) schon lange hinter sich, doch Dorthe gelang mit diesem Song noch einmal ein ausgesprochen origineller Titel, der vor allem - im Gegensatz zu ihrem "Luxemburg-Lied" - über ein Mindestmaß an Sprachwitz verfügte: "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben / das wär besser für dich und für mich und für Düsseldorf am Rhein", diese Zeilen prägten sich ein - mehr noch allerdings wurde die Verballhornung der Titelzeile zum geflügelten Wort: "Wärst du Dussel doch im Dorf geblieben". Das Liedchen konnte sich bis Platz 10 der Verkaufshitparade emporarbeiten - in der BRAVO-Hitparade suchte man allerdings auch diesen Dorthe-Song vergeblich. Kein Zweifel: Das war einmal mehr kein Schlager für Teens, sondern ein Slapstick für die Leserin von "Frau im Spiegel", deren vornehmliches Interesse Gunter Sachs und weiteren gutsituierten Industriellensöhnen galt. Nach "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" und "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" wurde es zunehmend still um Dorthe.

Nach zwei Achtungserfolgen im Folgejahr 1969 ("Jeder Schotte", Platz 24, und "Seine Hoheit, der Herr Kronprinz", Platz 27) veröffentlichte sie zwar noch jede Menge Songs, größtenteils unter ihrem vollen Namen Dorthe Kollo (Den Nachnamen hatte sie anläßlich ihrer Eheschließung mit dem Opernstar Rene Kollo 1967 angenommen). Plazierungen in den Charts gelangen ihr jedoch kaum mehr. Dorthes bislang letzte deutschsprachige Aufnahme stammt von 1991: "Heimat ist nicht bloß ein Wort". Dorthes Hits "Dip di dip", "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" und "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" gehören heute zum Standardangebot jeder Plattenbörse. Je nach Zustand werden jeweils zwischen 10 und 15 DM verlangt. Ähnlich preisgünstig sind ihre weiteren Scheiben: Sie sind schwieriger aufzutreiben, doch hält sich die Nachfrage in Grenzen, denn Dorthe-Platten sind alles in allem ein eher ausgefallenes Sammel-Objekt.

Besonders schade: Dadurch, daß ihre Hits bei zwei verschiedenen Plattenfirmen erschienen (Metronome und Philips), gibt es keine einzige CD, die Dorthes gesamte Erfolgstitel enthält. Lediglich der Silberling "Dorthe - Meine schönsten Lieder" (MCP Records CD 157022) vereint einige ihrer Hits - allerdings nicht die alten Originalaufnahmen, sondern digital neu eingespielte Versionen, die leider nur wenig vom Zauber der Originale versprühen. In meinem ganz persönlichen Schlager-Olymp hingegen ist Dorthe auf ewige Zeiten ein Platz sicher: Dank ihres wundervollen "Dip di dip" werde ich sie stets in allerbester Erinnerung behalten.

Noch heute, immerhin 32 Jahre nach Veröffentlichung des Liedes, fallen mir hin und wieder, wenn ich am Computer sitze und über meinen Manuskripten brüte, ihre Textzeilen ein: "Nun sing ich im Büro und wenn der Chef diktiert: di dip di didi didi dip di dip. / Und schreibe es in alle Briefe ungeniert: di dip di didi didi dip di dip..."
 
 
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